
Für gute Zwecke müssen künftig mehr Spenden eingeworben werden / Kampf um Erhalt des Stiftungsvermögens auch in der Lausitz ein Thema:
Region (mk). Einen zunehmend wichtigen Beitrag leisten gemeinnützige Stiftungen für das bürgerschaftliche Miteinander. 233 Stiftungen gibt es allein in Brandenburg. Pro Jahr kommen etwa neun Stiftungen hinzu. In Zukunft wird der Vermögensaufbau dieser Stiftungen aber immer schwieriger. Grund ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Hierzu erklärt Wolfgang Brandt, Sprecher im
Brandenburger Innenministerium: „Mit dem anhaltenden Zinstief haben derzeit viele Stiftungen auch in Brandenburg zu kämpfen, insbesondere die Stiftungen, deren Stiftungsvermögen hauptsächlich aus Geldvermögen besteht“. Das Problem: Um das Grundstockvermögen auf Dauer zu halten, sind Erträge aus Zinsen, Dividenden, Mieten oder Pachten nötig. Ohne die Zinsen sind die Stiftungen zunehmend auf das Einwerben von Spenden angewiesen, erklärt der Pressesprecher. Für Peter Albert von der Bürgerstiftung Cottbus liegt hier ein Problem. „Gerade in unserer Region ist es sehr schwierig, Spenden zu generieren. Dies spüren wir derzeit bei unserem Leuchtturmprojekt, der Erneuerung des Wasserspielplatzes im Eliaspark. Vom einkalkulierten Investitionsvolumen in Höhe von 150 000 Euro wurden bislang
gerade einmal fünf Prozent aus Spenden eingeworben. „Gerade als Stiftung mit sehr niedrigem Stiftungskapital (knapp 52 000 Euro) sind wir für jeden Euro, den wir in regionale Projekte stecken können, sehr dankbar“, sagt der Vorstandvorsitzende der Bürgerstiftung.
Auch die Vetschauer Hellmann-Stiftung ist schwer betroffen. So lag hier in der Vergangenheit noch die Verzinsung bei sechs bis acht Prozent. Somit waren hier jährliche Ausschüttungen in Höhe von 12 000 Euro möglich. Seit 1992 wurden durch die Stiftung somit 120 000 Euro an ortsansässige Vereine verteilt. Auch die Neugestaltung des historischen Rittersaales im Schloss, der Bau des Festplatzes (Hellmann Platz) oder ein Schulhausneubau (Bürgerhaus) wurden aus der Hellmann-Stiftung finanziert. „Die Zinspolitik ist eine Katastrophe für die Stiftungsarbeit“, sagt der Sprecher der Stadt, Steffen Römelt.
Selbst Stiftungen die sich nicht aus dem Zinsertrag finanzieren, bekommen die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik zu spüren. Wie der Vorstandsvorsitzende der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus, Dr. Martin Roeder erklärt, finanziere sich diese Stiftung durch öffentliche Geldgeber (Land Brandenburg, Stadt Cottbus). Gleichzeitig werfen die kurzfristigen Anlagen der Stiftung wie Tagesgeld oder Festgeld keine Erträge mehr ab. Für das Cottbuser Staatstheater hat dies Folgen. Wurden 2010 durch diese kurzfristigen Anlagen noch 40 000 Euro im Jahr erwirtschaftet, so reduzierten sich diese Beträge im Jahr 2015 auf
7 800 Euro. Eine Reduktion um 30 000 Euro. Das entspricht in etwa zwei Bühnenbildern für Opern- und Schauspielproduktionen im Großen Haus. „Eine bedauerliche Nebenwirkung der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank“, sagt Dr. Martin Roeder.
