
Bis zu 180 Ausländer könnten ins ehemalige Gymnasium auf Zeit einziehen:
Trattendorf (trz). Ins alte Gymnasium an der Trattendorfer Kraftwerkstraße soll neues Leben einkehren. Der Landkreis Spree-Neiße will das Gebäude, das seit einem Jahr leer steht, zu einem Übergangswohnheim für Asylbewerber umbauen. In der Bevölkerung stoßen die Pläne auf Skepsis.
Nach Angaben von Kreisdezernent Olaf Lalk soll die Einrichtung zunächst 152 Flüchtlingen eine Heimstätte auf Zeit geben. Reicht diese Kapazität nicht aus, könne auf bis zu 180 Plätze erhöht werden. Sehr bald sollen die ersten Umbauarbeiten an der kreiseigenen Immobilie starten. Rund 2,5 Millionen Euro würden investiert.
Olaf Lalk kündigt an, dass voraussichtlich im April 2016 mit den ersten Bewohnern zu rechnen sei. Diese kämen direkt von der Brandenburger Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt. Im Trattendorfer Heim sollen die Ausländer nur für eine gewisse Zeit leben. Sie würden anschließend dezentral in Wohnungen innerhalb von Spremberg untergebracht.
Bereits heute gibt es nach Angaben von Bürgermeisterin Christine Herntier 90 Asylanten in der Stadt. Diese kämen vorwiegend aus Syrien sowie aus Tschetschenien. Die Flüchtlinge seien in den Wohngebieten auf Koller- und Georgenberg sowie in mehreren Trattendorfer Wohnblöcken einquartiert. Insgesamt seien für die Spreestadt mittelfristig um die 285 Asylbewerber geplant. Noch zu Jahresbeginn 2015 hieß es, es würden „nur“ 167 Ausländer kommen. SPN-Sozialdezernent Hermann Kostrewa wünscht sich, einen Teil der Flüchtlinge dauerhaft in der Region zu halten. Das „Zauberwort“ laute Fachkräftemangel.
Indes ist der Unmut der Trattendorfer über das geplante Heim unüberhörbar. Während der Einwohnerversammlung stellt sich unter anderem die Frage nach der Sicherheit der Anwohner. Derzeit funktioniere nicht mal die Straßenbeleuchtung einwandfrei, wird moniert. Für das Heim selbst werde ein Wachschutz arrangiert, verspricht der Landkreis. Olaf Taubeneck, Geschäftsführer des Behindertenwerkes Spremberg (BWS), äußert Bedenken bezüglich der Nachbarschaft seiner Bewohner und der Asylbewerber. Hermann Kostrewa sagt allerdings, dass Leute kämen, die „einen zivilisierten Umgang“ pflegten. Nicht zuletzt, so der Dezernent, könnten sich beide Einrichtungen gegenseitig befruchten. Wie das konkret geschehen soll, lässt Kostrewa offen.
Darüber hinaus befürchten Trattendorfer und Spremberger, dass durch die vielen Ausländer freier Wohnraum in der Stadt knapp werden könnte. Christine Herntier beruhigt, dass das Wohnungsbauunternehmen Gewoba so viele freie Kapazitäten habe, dass sich niemand sorgen müsse, kein Dach über dem Kopf zu bekommen.
Sollte der SPN-Kreis zu Jahresbeginn 745 Flüchtlinge aufnehmen, sind es nach jetzigem Stand bereits 1300, Tendenz weiter steigend. Das entspricht fünf Prozent aller Asylbewerber, die in Brandenburg aufschlagen. Die neue Einrichtung in Trattendorf werde dringend benötigt, da die beiden Übergangsheime in der Gubener Straße in Forst mit ihren 263 Plätzen längst am Limit stehen.
