Seenland-Metropole gilt als Scharnier zwischen Nieder- und Oberlausitz.
Senftenberg (trz). Senftenberg wird nicht selten als Hauptstadt oder als Metropole des Lausitzer Seenlands bezeichnet. Kein Wunder, befindet sich der Ort in- direkt im Zentrum der neuen Landschaft. Doch streng genommen ist die rund 25 000-Einwohner-Stadt Grenzort. Mehr noch: Die Trennlinie verläuft direkt mitten durch die Kommune. Besser gesagt, durch den Senftenberger See.
Allerdings stoßen dort nicht Brandenburg und Sachsen aneinander, sondern Nieder- und Oberlausitz. Denn die Grenze zwischen beiden Lausitzen macht vor Senftenberg nicht halt. Die Kernstadt sowie die Ortsteile Brieske, Sedlitz, Groß- und Kleinkoschen zählen zur Niederlausitz. Niemtsch, Peickwitz und Hosena liegen dagegen bereits in der Oberlausitz. Im Raum Senftenberg/Ruhland bildet seit jeher die Schwarze Elster die „innerlausitzische Grenze“. Doch spätestens seit der Regulierung des Flusses, die in diesem Abschnitt etwa in den Jahren von 1852 bis 1856 vorgenommen wurde, haben sich die Grenzen etwas verschoben. Im Fall Senftenberg war es nicht anders. Dort wurde die Elster, allerdings erst im 20. Jahrhundert, wegen dem Tagebau Niemtsch, ein Stück weit nach Norden umgeleitet. Das alte Flussbett befindet sich nunmehr direkt im Nachfolger des Tagebaus, dem Senftenberger See. Und damit eben auch die Grenze.
Bis zum Jahr 1952 gehörte das Gebiet südlich der Elster zum Kreis Hoyerswerda und damit zu Sachsen, bis 1945 zu Niederschlesien. Dafür zählte aber das benachbarte Lauta wiederum zu Brandenburg und damit zur Niederlausitz. Bei der Auflösung der Länder in der DDR im Sommer 1952 wurde auf die gewachsenen Strukturen mehr oder weniger keine Rücksicht genommen. So enthielt der Bezirk Cottbus Teile der nunmehr aufgelösten Länder Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Senftenberg bekam einen eigenen, knapp 600 Quadratkilometer großen Kreis. Der größere Teil, nämlich nördlich der Elster, gehört zur Niederlausitz. Das Gebiet zwischen Elster und Pulsnitz wird bis heute der Oberlausitz zugeordnet. Darüber hinaus existiert noch der kleine Zipfel der Gemeinde Großkmehlen mit den Ortsteilen Kleinkmehlen und Frauwalde, der bereits jenseits der Lausitzer Grenzen liegt.
Mit der Wiederherstellung der Länder vor nunmehr 25 Jahren ließen die Protagonisten erneut das nötige Feingefühl vermissen. Statt die Gegend zwischen Ruhland und Ortrand dem Freistaat Sachsen anzugliedern, wie von einer Mehrheit der Bevölkerung befürwortet, verblieb dieses Gebiet bei Brandenburg. Brandenburgs Oberlausitz also. Doch ein Gutes hatte die Sache: So befindet sich der Senftenberger See heute in Gänze auf dem Gebiet der Seenland-Hauptstadt. Und gleichzeitig in Nieder- und Obberlausitz.
