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Wieder Zuhause: „Kartoffeln ham se“?

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Dr. Thomas Wille, selbstständiger Unternehmensberater, freute sich bei seiner Rückkehr auf eine spannende Zukunft und die Möglichkeiten, die ihn in seiner Heimat Senftenberg erwarten würden. Seine Rückkehr hat er nie bereut | Foto: Redlich

Rückwander berichten vom Schritt in die Heimat / Von Verlust und Gewinn
Region (ysr). Mit Spannung werden die Redebeiträge der drei angekündigten  Rückkehrer im vollen Saal des Bürgerhauses Wendische Kirche in Senftenberg erwartet. Sie sprechen zu ihren Erfahrungen fern ab von zu Hause und dem Versuch, in der Heimat wieder Fuß zu fassen. Als Erste spricht Jonilla Wachtel. Die junge dreifache Mutter aus Frauendorf fand nach ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau keinen beruflichen Einstieg. Ein halbes Jahr war sie zuhause. Als ihr Mann seinen Studienabschluss als Bautechniker in der Tasche hatte, sagte er: Bewirb Dich! Egal wo du hingehst, ich komme mit. Kurze Zeit später fing Jonilla Wachtel in einer Firmenbuchhaltung in München an zu arbeiten, auch ihr Mann fand kurz darauf eine Anstellung, machte sich später selbstständig. 2009 kam Sohn Leopold zur Welt. „Da haben wir erst mal gemerkt, dass unsere Familie uns vermisst“, sagt die junge Mutter. Als sie wieder schwanger wurde, diesmal mit Zwillingen, war klar, dass es zurück in die Heimat geht. Finanziell war es nicht immer leicht. „Aber für uns war die Familie einfach wichtiger“, so Jonilla Wachtel.
Auch für Stephanie Pfeiffer spielte die Familie eine wichtige Rolle. Die Diplom-Restauratorin zog es von Finsterwalde nach Meißen, später nach Berlin und Potsdam. In ihrem Heimatort Göllnitz bei Finsterwalde heiratete sie schließlich ihren Mann. Gemeinsam mit Mann und Kind sah sie sich vor den Flitterwochen ein altes Bauernhaus an. „Kurzerhand fuhren wir nicht nach Frankreich zum Flittern, sondern kauften das Haus“, lacht die Künstlerin. Als das Haus restauriert wurde, lebte die Familie in einem Wohnwagen auf dem Hof. Stephanie Pfeiffer hat heute ein eigenes Atelier, bietet Führungen an und stellt aus. „Manchmal muss man mit dem Herz entscheiden, darf nicht auf bessere Zeiten hoffen“, sagt sie.
Auch Dr. Thomas Wille ist rumgekommen. Von Senftenberg zog es ihn nach Dresden, weiter nach Bamberg und zuletzt für 15 Jahre nach Karlsruhe. Den Bezug zur Heimat haben er und seine Familie nie verloren, verbrachten regelmäßig Urlaube  am Senftenberger See, pendelten zu Geburtstagen. Nach dem Umzug besorgte er Quark und Leinöl. „Die Kassiererin fragte mich, Kartoffeln ham se? Da wusste ich, ich bin zu Hause“, scherzt der Unternehmer.
Alle haben eines gemeinsam: Familie und Freunde waren entscheidender Dreh- und Angelpunkt für den Entschluss zurückzukehren und alle haben es dank deren Unterstützung und aus eigenem Antrieb geschafft. Am Ende sind sich alle in einem Punkt einig. Die Frage: „Ist es grundsätzlich schlecht zu gehen?“ beantworten sie mit einem klaren „nein“. Keiner von ihnen möchte die in der Ferne gemachten Erfahrungen missen, aber alle sind auch froh darüber, heute wieder in ihrer Heimat angekommen zu sein.

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