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Antigone: Was macht sie stark?

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Ungleiche Schwestern: Antigone (Alrun Herbing, vorn) und Ismene (Marianne Helene Jordan) in Brechts „Die Antigone des Sophokles“ an der Neuen Bühne Senftenberg F.: St.Rasche

Das Mädchen im Widerspruch / In Senftenberg streitet eine aufmüpfige Antigone mit dem Chef :
Senftenberg. Die Leute erzählen, Brecht habe den Stoff von Sophokles (Griechenland, ca. 476-405 v.Ch.), mit dem auch DDR-Abiturienten gepeinigt wurden, nur deshalb neu geschrieben und im schweizerischen Chur uraufführen lassen, weil er für Helene Weigel, seine Frau, endlich eine gute Rolle brauchte. Eben die Antigone. Aber das war 1948. Und da war dieses Mädchen, das Ja zu Liebe, Wärme und Vernunft sagt, nötig.
Bert Brecht (1898-1956) steigerte den Konflikt mit einem Vorspiel. Die SS hängt Antigones Bruder als Deserteur und Volksverräter am Fleischerhaken auf. Sie nimmt ihn ab – ihr Todesurteil. Sophokles war dem Augsburger zu behutsam. Die Welt brutalisiert sich. Bis heute. IS richtet ohne Maß.
Verena Nagel hat in Senftenberg  „Die Antigone des Sophokles“ inszeniert. Die erste Arbeit der knapp 30-jährigen Oberpfälzerin für eine Bühne. Ihr Partner der Ausstattung ist der annähnernd gleichaltrige Rumäniendeutsche Andreas Hartmann. Ein Traumpaar für dieses Projekt, das auf der intimen Studiobühne in Senftenberg tiefe Charakterkonflikte außerhalb einer Lichtröhre zynischer Sattheit abhandelt. Wie ein Strudel zieht schrilles, stimmlos gestikulierendes Wohlsein die Abhängigen in sich hinein. Kreon, der Tyrann, ringt um seinen Stand, doch er ist Marionette, Strohmann, wie Walter Jens einst kommentierte. Roland Kurzweg spielt ihn hier. Er gibt sich loyal, regelrecht harmlos zu Anfang, verteilt seine Erze in der ersten Reihe. Doch er fordert sie alsbald schon ruppig zurück. Er ist ein fieser Söldner, dem sich menschliches Bitten nicht erschließt. Kurzweg zeigt Kämpfe kranker Machtsucht. Er ist – wie aktuell – nicht erreichbar. Ein starker Part!
Nicht erreichbar für Antigone. Hier ist sie als heutiges Mädchen angelegt, naiv. Was sollte sie stark machen? Ihr Streit ist edel, ihr Kampf aber fast nur beiläufig, ihr Opfer ohne Wert.  Alrun Herbing spielt das heftig, vor allem glaubhaft.
Letzten Freitag und Samstag war Premiere. Intendant Manuel Soubeyrand, mit dick verbundenem Arm wieder im Dienst, war zufrieden mit seinem Wagnis dieser jungen Regie. Das Publikum war begeistert. Höchst sehenswert, heißt hier das Prädikat. Nächste Vorstellungen am 19.3.,10 Uhr, und 20.3., 19.30 Uhr.    J. Heinrich

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