Etwas abseits von den großen Verkehrsverbindungen, sieben Kilometer südöstlich von Calau, in der Nähe der Gabelung der Straße von Calau nach Senftenberg und nach Drebkau liegt das Dorf Ogrosen. Der Ort bestand bis 1928 aus der Dorfgemeinde und dem Rittergut.
Das Dorf und die Wasserburg
Erst Mitte des 15. Jahrhunderts wird das Dorf in Urkunden der Stadt Lübben und des Klosters Doberlug erstmals schriftlich erwähnt. Doch muß der Ort schon etwa 200 Jahre zuvor bestanden haben, denn der Unterbau des Turmes der Dorfkirche stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Ortsname leitet sich ab von dem altsorbischen Ogroza gleich Schanze bzw. dem niedersorbischen hobgrozis gleich Ort, der mit einem Flechtzaun umgeben ist. Auch an den Namen erkennt man also die mittelalterliche Gründung. 1447 werden die Brüder Hans, Kasper und Heinrich Zincke “zur Ogroße” als Lehensträger genannt. Ihr Sitz war eine mittelalterliche Wasserburg. Über ihre Ausmaße ist nichts bekannt, jedoch kann man von alten Karten noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts den Verlauf des bis zu 16 Meter breiten Wassergrabens ablesen, der eine ovale Innenfläche von 52 mal 48 Metern umschloß. Zum Dorf gehörten knapp 300 Hektar Land, zum Gut rund 500 Hektar. Der Rittergutsbesitzer war zumeist auch Inhaber des Gutes Bolschwitz. Das 16. Jahrhundert war die Zeit derer von Zabeltitz. Diese in der Niederlausitz weit verbreitete Familie besaß Ogrosen in mehreren, kaum zu unterscheidenden Generationen bzw. Familiengliedern.
Die Stutterheims
1622 gelangte der Landesälteste des Kreises Calau, Otto Heinrich von Stutterheim (1591-1662), in den Besitz von Ogrosen. Diese bekannte Familie konnte sich sieben Generationen lang in Ogrosen halten. Mehrere Stutterheims dienten ihrer Heimat als hohe Beamte, deshalb sei ihrer hier kurz gedacht. Otto Hieronymus, der zweite Stutterheim auf Ogrosen, wurde 1666 Oberamtsrat der Niederlausitzer Regierung. Wegen seiner Verdienste machte er eine beispiellose Karriere: 1668 wurde er als Konsistorialdirektor geistiges Oberhaupt des Markgrafentums, 1676 Vizepräsident und 1683 Präsident der neuen Oberamtsregierung in Lübben. Dieses höchste Amt in der Niederlausitz hatte er bis zu seinem Tode 1702 inne. Er erbaute das Schloß Ogrosen in der Form, wie wir es heute noch kennen. Besser müßte man natürlich sagen, er baute es um, denn wie in den meisten Herrenhäusern steckt auch in Ogrosen ein älterer Kern. Sein Sohn Heinrich Otto, Amtshauptmann von Forst und Spremberg, vollendete den Bau. Dessen Söhne wiederum, gemeinsam Nachfolger im Besitz von Ogrosen, machten auswärts Karriere, keiner wohnte mehr vor Ort. Einer der Brüder war dänischer Staatsrat, ein anderer kulmbachischer Kammerherr, ein weiterer Minister und Justizpräsident in Erlangen. Erst der Urenkel von Otto Hieronymus zog wieder auf Ogrosen ein. Auch er war wie sein Urgroßvater Oberamtsregierungspräsident der Niederlausitz, dazu königlich sächsischer und polnischer Kammerherr. Im 7jährigen Krieg wurde Ogrosen stark geschädigt. 1759 plünderten Soldaten des preußischen Generals Finck das Schloß, drei Jahre später brannte es aus. Es war übrigens derselbe Finck, der bald darauf bei Maxen (bei dem sogenannten Finkenfang) so schmählich kapitulierte. Der letzte Stutterheim, auch er hoher Beamter der Niederlausitz, konnte Ogrosen nicht mehr halten, es mußte 1784 zwangsversteigert werden.
Häufiger Wechsel der Besitzer
Es muß schwierig gewesen sein, das Gut Ogrosen wirtschaftlich zu betreiben, denn spätestens nach zwei Generationen wechselten in der Folgezeit die Besitzer. Zu-
nächst war da die Familie von Löben, ihr folgte Heinrich Ludwig Graf zu Lynar, Sohn des Lübbenauer Standesherrn, dann 1842 Graf von Pourtalès, von dem wir in anderen Folgen dieser Serie noch hören werden. Weitere Besitzer kamen aus den Familien von Thielau, von Versen, von Voss. 1923 erwarb Friedrich Franz Lüdeke das Rittergut Ogrosen, im Besitz dieser Familie blieb Ogrosen bis zur Enteignung 1945. Zu DDR-Zeiten wurde die Landwirtschaft als Volkseigenes Gut geführt. Das Herrenhaus teilte das Schicksal so vieler anderer: Wohnungen für Aussiedler und Unterkunft für Verwaltungen.
Ökologische Landwirtschaft
Nach der Wende im Osten Deutschlands konnten schon 1991 die Enkelkinder des letzten Gutsbesitzers den Betrieb von der Treuhand pachten. Der endgültige Erwerb gestaltete sich schwierig, letztlich aber doch erfolgreich. Die Familie Lütke Schwienhorst betrieb von Anbeginn an ökologische Landwirtschaft nach den Richtlinien des Landbau-Verbandes Gäa. Kernstück des Betriebes sind über 100 Milchkühe, sommers auf der Weide, im Winter in modernisierten Ställen, eingestreut mit Stroh. Die Futterpflanzen werden selbst angebaut. Da nicht alles selbst verbraucht wird, gelangt ein guter Teil der Feldfrüchte auch in den Handel. In eigener Schlachtstätte wird monatlich eine Mastfärse geschlachtet und im Hofladen verkauft. Überhaupt der Hofladen – hier kann man auch Produkte von weiteren Betrieben kaufen, die in der “Ökologischen Höfegemeinschaft Gut Ogrosen” kooperieren. Dazu gehören noch der Milchschafhof, die Ogrosener Landkiste (Gemüsebau) und der Ziegenhof. Neben dem Verkauf im Hofladen werden die Produkte auch direkt ins Haus geliefert, nach Berlin, nach Lübben und Cottbus, hier immer dienstags, frisches Gemüse, Brot, Fleisch, Wurst usw., ganz nach Belieben und Gefallen. Unter www.gut-ogrosen.de kann man schon mal hinein schnuppern.
SEK Cottbus
