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Forst: Hammerstraße weckt Erinnerungen

damals160116foForster haben längst verschwundene Ansicht nicht vergessen:
Andrea Buder aus Forst sagt am Telefon: „Auf dem Bild ist die Hammerstraße 7 und 9 zu sehen. Vor ein paar Wochen waren die Häuser in der Jägerstraße Nummer 20 und 22 Rätselbild, die dazugehörigen Vorderhäuser und mein Geburtstort. Vorn rechts, wo das Fahrrad anlehnt, ist ein Stück Hauswand von den ehemaligen „Reichshallen“ zu sehen. Dahinter kamen dann der Busplatz und die Kirche. In dem Haus hinten links, wo das Bushäuschen ist, war Tuch-Noack ansässig, betrieben von Herrn Hammer. In dem schmalen Spalt ganz hinten ist das ehemalige SED-Gebäude zu erkennen. Das große Gebäude geradezu war das Gutenberghaus, welches von Familie Nickel betrieben wurde. Rechts daneben waren ein Taschenladen und eine Drogerie untergebracht. Leider steht von alledem heute kein Stück mehr. Es grünt so grün und das Rätselraten was mit dem ganzen Areal passieren soll, hält bis heute an. Es handelt sich um das Umfeld rings um die Kirche.“
Viola Schiemenz bestätigt diese Lösung: „Auf dem Bild ist die Hammerstraße zu sehen. Diese Straße wurde von dem ehemaligen „Senator“ Gotthelf Hammer, dem das Haus Nr.1 gehörte, be­nannt. Die Straße erstreckte sich vom Markt bis zum ehemaligen Ernst-Hammer-Platz. Das Foto wurde von Ost nach West aufgenommen. Im Hintergrund ist der Busbahnhof der DDR zu erkennen. Neben dem parkenden Bus ist das ehemalige Geschäft von Tuch Noack zu sehen. Als die bauliche Umgestaltung der Südseite des Marktplatzes 1974/57 begann, sind die Gebäude abgerissen worden. Als die Baugruben für die neuen Wohnblöcke ausgebaggert wurden, konnten archäologische Funde gesichert werden, wie zum Beispiel Keramik aus verschiedenen Zeiten des Mittelalters, Baureste, Holzfunde sowie Brandhorizonte von den einzelnen Stadtbränden.“
Dietmar Michel erinnert sich hier an nette Menschen: „Im Haus Nummer 7 (1. Etage) haben wir (meine Eltern und wir vier Geschwister) von 1945 an gewohnt. Wir waren froh, dass wir am Ende unserer Flucht aus dem damaligen Sorau in dem Haus, das meinen Großeltern gehörte, eine noch möblierte Wohnung beziehen konnten. Obwohl wir in einfachen Verhältnissen wohnten, erinnere ich mich sehr gern an diese Zeit. Wir hatten zu zweit ein Kinderzimmer, keinen weiten Weg zur Schule und erlebten doch einigermaßen bewusst, wie die Folgen der Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg beseitigt wurden. Die Bewohner in der Hammerstraße waren alle sehr nett und es gab einen unglaublichen Zusammenhalt. In Erinnerung ist mir das Gebrauchtwarengeschäft von Herrn Oskar Fricke, das auch in der Stadt sehr bekannt war. In unserem Hof befand sich die Fahrradreparaturwerkstatt von Rudolf Müller, und meine Oma hatte eine elektrische Wäschemangel, die bei den Bewohnern der Umgebung sehr beliebt war. Ich wohnte bis 1956 in der Hammerstraße; dann ging ich zum Studium nach Leipzig. Es war eine sehr schöne Zeit, die ich dort verlebte“.
Manfred Meier schreibt: „ Rechts ist angedeutet das Gebäude der Reichshallen zu sehen, das war ein Lokal mit einem kleinen Saal, der für vielfältige Veranstaltungen, unter anderem auch von der Volkssolidarität in den Jahren nach dem Kriegsende bis zum Abriss des Hauses genutzt wurde. Wie ersichtlich, gab es in der Hammerstraße damals eine Bushaltestelle, das dazugehörige Bauwerk für die Fahrgäste war nur eine Notlösung. Interessant ist die Tatsache, dass vom Ernst-Hammer-Platz vier Straßen abgingen und zwar die Salzgasse, die Seilergasse, die Grenadierstraße und die Hammerstraße, in der sich vor dem Krieg, das Bild ist danach entstanden, immerhin vier Gaststätten befanden, sie hießen ‘Zum Zacken’, ‘Zum Webschützen’, ‘Paulick’ und eben die besagten ‘Reichshallen’. Von dem, was auf dem Foto verewigt wurde, ist nichts mehr übrig geblieben. Besonders ist es um die ‘Reichshallen’ schade, denn an kleinen Räumlichkeiten für Familienfeiern, Versammlungen und Vereinsbetätigungen sind die Möglichkeiten in der Stadtmitte begrenzt.“
Thomas Methe schreibt: „Die Hammerstraße trug um 1748 den Namen Mühlengasse und auch Töpfergasse. Gotthelf Hammer war ein Forster Bürgerpate. Denn die ‘Hammers’ waren in Forst ein weitverzweigtes Bürgergeschlecht. Durch Wohnungsneubauten in der ehemaligen DDR verschwand die Hammerstraße gänzlich. Die ehemalige Hammerstraße kann heute mit dem östlichen Teil der Straße am Markt gleichgesetzt werden. Wenn man damals die Hammerstraße in Richtung Markt verfolgte, zweigte an deren Ende die Sternstraße nach links ab und bildete eine Verbindung zur Jägerstraße. Gleich rechts hier im Foto das Gebäude war einst die ‘Reichshallen’. Dieses war mal ein Restaurant, welches diesen Namen trug“.
Auch Mario Weise hat die richtige Lösung parat: „In der letzten Ausgabe ist die Hammerstraße in Richtung Amtstraße zu sehen. Das rechte Haus, mit dem Fahrrad davor, ist die Gaststätte ‘Reichshallen’, später wurde das Gebäude von der Volkssolidarität genutzt. Anfang der 80er Jahre wurde es abgerissen. Hinter dem Haus ist der heutige Markt mit der Nikolaikirche. Damals befand sich dort auch noch der Busbahnhof. Links ist ein Wartehäuschen und das Haus von Tuch-Noack erkennbar. In der hinteren Häuserzeile waren damals ein Imbiss (Broilerbar?) dann Annahmestelle für Sekundärrohstoffe, daneben ein Blumenladen und daneben das Gutenberghaus. Dann folgt schon die Cottbusser Straße in Richtung Berliner Platz.“
Ulrich Rohde erinnert sich hier an eine Feier: „Rechts vorn im Bild ist das Haus der ehemaligen ‘Reichshallen’ zu sehen, in dem zuletzt der Klub der Volkssolidarität war. Leiterin dieses Klubs war Frau Minnich, die Mutter eines Klassenkameraden. Wir haben dort noch Ende der 60-iger Jahre eine Schulklassenfeier durchgeführt. Im Vordergrund sieht man den Busbahnhof und geradezu ein großes Haus, dort war einmal das ‘Gutenberghaus’ von Herrn Nickel. Ganz hinten ist das Volkshaus zu sehen, in dem zuletzt die SED-Kreisleitung war. Alles auf diesem Bild existiert nicht mehr. Auch die Nachbauten werden Stück für Stück ‘zurückgebaut’.
Ein gerahmtes Foto gewonnen hat Mario Weise.
Herzlichen Glückwunsch!

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