
Die Weinbergstraße bleibt vor allem vielen tausend Schülern unvergessen:
Das stille Bild bewegte sehr viele Leser. Renate Brinke erinnert sich : „Das sind die Häuser in der Weinbergstraße. Rechts ist der Zaun der heutigen ‘Bewegten Grundschule’. Als wir 1983 nach Cottbus kamen, waren diese Häuser weg, aber etwas weiter in westlicher Richtung haben doch zwei Häuser überlebt. Unter anderem der Kindergarten. So viel ich weiß, einer der ersten der Stadt. Eigentlich erinnere ich mich gern an die „Neue“ Weinbergstraße. Da ich in der Nähe gearbeitet habe, war es günstig, in der Mittagspause schnell etwas einzukaufen. Es gab eine Kaufhalle, die Drogerie, ein Schmuckgeschäft, den Spielzeugladen, für besondere Anlässe das ‘Delikat’ und eine hübsche Gaststätte.“
Christian Lehm meint:
„ Am linken Bildrand würde die Weinbergstraße 14 folgen, der Kindergarten der Lutherkirchgemeinde. Diese Straße hat, solange ich in Cottbus bin, und das sind mehr als 50 Jahre, keine Veränderung erfahren. Man kann es an dem Schnittgerinne erkennen. Vermutlich wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt, denn das Haus des Kindergartens stammt aus den 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Straße hat Altertumswert.“
An seine Schulzeit erinnert sich Gerd Haeberle: „Zu DDR-Zeiten waren hier die 1. und 8. Polytechnische Oberschule (POS). In die 1. POS wurde ich 1963 eingeschult.“ Auch Ute Buchan schaut auf ihre Schulzeit hier zurück: „Ich wechselte wohnbedingt mit der 5. Klasse von einem modernen Schulhaus in dieses alte Gemäuer. Am schlimmsten waren die alte Turnhalle und die Außen-Toiletten. Das Foto zeigt übrigens unsere 60- und 100- Meter Sprintstrecke auf dem Sandstreifen neben dem Kleinpflaster. Der Fotograf muss das Bild sonntags gemacht haben; so leer war die Straße nie. Wenn wir heimlich das Schulgelände verließen, holten wir uns bei ‘Fest‘ (Lebensmittelgeschäft) Negerküsse oder Zuckerwaffeln (nur montags). Beim Bäcker gegenüber gab es Einback, das Stück für zwei Pfennige, bei Fischkärger Tomatensaft in Dosen.
Die POS hieß „Georgi Dimitroff“ erinnert sich Jens Pumpa, der hier von 1976 bis 1986 zur Schule ging. Auch er bestätigt die Gehweg-“Sportstätte“. Klaus Herold schreibt: „Das gesamte Grundstück zälte aber zur Straße der Jugend (vor dem Krieg Dresdener Straße). Die an der Straße der Jugend gelegene Schule dürfte zuerst gestanden haben, die andere stellt eine Erweiterung dar. Man nahm eine Trennung in Knaben- und Mädchenschule vor. Von der ursprünglichen Bebauung der Weinbergstraße (Nr. 7 bis 18) stehen heute nur noch die Häuser Nr. 8a und 14. Im Zuge der Umgestaltungen in der Spremberger Vorstadt wurde vieles verändert.“
Hans-Joachim Hanschick fallen die zugefrorenen Außentoiletten ein: „Der Straßenzug wurde um 1896 bis 1898 erbaut. Die Häuserzeile in Richtung zur Dresdener Straße, später Straße der Jugend, mit dem Eckhaus des Fleischermeisters Max Srcamkiewicz hatte kleinere, umbaute Höfe. Rückwärtig war das Areal von Kohlen-Orschel. Zum Aufnahmezeitpunkt war hier jegliches Leben erloschen. Das Gebäude Nr. 8 (ehemalige Bauleitung) und das Haus Nr.14 (ehemaliger evangelischer Kindergarten) sind nicht sichtbar. Das Haus Nr. 14 beherbergte einst außer dem Kindergarten mit seinen Nebeneinrichtungen Wohnraum für fünf Familien. Jedes Jahr zur Winterzeit kam Freude auf, wenn ein Besuch der Außentoiletten über den Hof mit der Erkenntnis ‘eingefroren!’ endete. Die Häuserzeile 7 bis 10 in Richtung Thiemstraße hatte Gemeinschaftstoiletten in den Zwischenetagen und hofseitig ein Minigärtchen. Die Bewirtschaftung eines kleinen Ackers oder die Zugehörigkeit zu einem Gartenverein gehörte zur Selbstverständlichkeit eines Kiezbewohners.
Anstelle der Lampe gab es einst vier Gaslaternen. Es war für alle Bewohner dieser Straße ein sehr bewegender Moment, als sich diese erstmals nach dem Krieg erhellten. Der gegenüberliegende Teil der Weinbergstraße hat eine wechselvolle Geschichte, die in ein anderes Kapitel umgeschrieben werden müsste. Dennoch bleibt sie nach sieben Jahrzehnten noch weiter unsere Schule, wenngleich Zeitzeugen, ehemalige Schul -und Spielkameraden nicht mehr vor Ort sind.“
Ganz sicher, die richtige Lösung parat zu haben, ist sich auch Renate Steinort: „ Das ist die Weinbergstraße. Ich weiß das so genau, weil in dem Haus meine Oma gewohnt hat, und über die Straße bin ich zur Schule gegangen.“ Wolfgang Schmidt aus Cottbus findet die Weinbergstraße heute noch idyllisch gelegen. Auch, dass die Schule aus dem Dornröschenschlaf der Nachwendezeit geweckt wurde, freut ihn.
Gewonnen hat heute Reinhard Borrmann aus der Turower Straße. Herzlichen Glückwunsch!
