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Cottbus: Schlage der Stadt Stunden des Glücks

Selten kommt die Handkoloratur einer Ansichtskarte der Wirklichkeit so nahe, wie diese aus dem Cottbuser Druckhaus Nitschke. Sie erschien 1912, Antwort B traf also zu
Selten kommt die Handkoloratur einer Ansichtskarte der Wirklichkeit so nahe, wie diese aus dem Cottbuser Druckhaus Nitschke. Sie erschien 1912, Antwort B traf also zu

Leser fanden sehr unterschiedliche Zeitzeichen im edlen Nitschke-Motiv.

Kolorierte Cottbus-Ansichtskarten kamen um 1900 aus Dresden, Breslau, Leipzig, Meißen und anderen Produktionsorten. Die zuverlässigsten erschienen aber hier, zum Beispiel im Druckhaus Alfred Nitschke. Unser Motiv der Vorwoche fand wegen seiner Qualität auch besonders viel Resonanz. Gefragt war nach der Herstellungszeit. Im Ausschlussverfahren kamen  Michael Kuhrt, Wolfgang Bauch, Helga Jung und andere Leser auf B – 1912. Die Straßenbahn, das wissen Cottbuser, fuhr erst ab 1903; so schied A – 1902 aus. Christian Lehm erkannte auf dem Bild die rote Linie Bahnhof/Sandow). Für 1932 erschien das Verkehrsbild doch etwas zu  rückständig. W. Schmidt aus der Potsdamer Straße weiß genau: „1928 bis 31 sind alle Straßenbahnwagen umgebaut worden. Sie erhielten geschlossene Plattformen mit Umsetztüren. Die sperrten die Nichteinstiegsseite und wurden entsprechend Fahrtrichtung manuell umgesetzt.“ Jürgen Klingmüller bemerkt: „C – 1932 fällt weg, da zu dieser Zeit in Eckhaus statt des Zigarrengeschäfts schon die Commerzbank residierte. Leider wurden damit auch Schmuckelemente der Fassade entfernt.“ Ein weiterer Hinweis auf vor 1932 kommt von Jens Pumpa: „Das Alvensleben-Denkmal mit seiner Treppe am Wall fehlt noch. Das hatte man im August 1913 zum Gedenken an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/71 errichtet. 1945 wurde es beschädigt und 1946 vollständig abgetragen.
Gewonnen hat diesmal – auf eigenen Wunsch nicht das ausgeschriebene Buch, sondern eine  gerahmte Reproduktion des wertvollen Rätselbildes – unser Leser Karl-Heinz Schlodder, der mit einem weiteren „Zeitzeichen“ aufwarten kann. „Das Bild ist erst nach 1906 entstanden, denn in diesem Jahr bekam der Spremberger Turm seinen neuen Glockenstuhl  aufgesetzt. Die beiden Bronzeglocken, die durchaus das Format von Kirchenglocken haben, wurden in Apolda/Thüringen gegossen. Die erste trägt die Aufschrift ‘Franz Peter Schilling goss mich 1906’, die zweite ‘Schlage der Stadt Stunden des Glücks’. Das konnte sie zwar nicht immer, jetzt aber immer öfter. Im Jahr 2000 bekam der Spremberger Turm einen neuen Glockenstuhl. Immerhin  trägt der Dicke das größte Glockenspiel für Turmuhren im Land Brandenburg.“ Erst bei ganz genauem Hinsehen fand Herr Schlodder per Lupe heraus, dass über dem Dach der Mädchen-Mittelschule die Laterne der 1902 errichteten Synagoge mit Davidstern zu sehen ist. „Und  für die Fortschrittlichkeit spricht auch, dass Cottbus auf seinem wichtigsten Platz schon eine Litfaßsäule vorzuweisen hat.“

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