Vor dem prächtigen Geschäftshaus dampfte die „Schwarze Jule“ entlang.
Herbert Ramoth aus Cottbus: „Zu sehen ist ein Bild aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts: Die Gebäude mit den typischen Rundbogenfenstern im Erdgeschoss und die oberen Stockwerke mit aufwendigen Fassadendekorationen der Gründerzeit verziert. Am Straßenrand Bäume, die das Stadtbild verschönerten und gleichzeitig die Luftqualität in den Innenstädten verbesserten. Schon damals handelte man umweltbewusst! Ein parkender offener Tourenwagen am Straßenrand, wahrscheinlich Opel 10, ein Statussymbol des aufstrebenden Bürgertums, und viele abgestellte Fahrräder, typisch für die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts. Eine Lösung zur Stadtbestimmung fällt mir schwer. Das Foto könnte in allen drei aufgeführten Lausitzer Städten aufgenommen worden sein. Ich favorisiere aber Forst als damals wohlhabende Tuchmacherstadt mit vielen repräsentativen Geschäfts-, Bank- und Wohngebäuden. – Nochmals vielen Dank für das schöne NIEDERLAUSITZ-2025-Jahrbuch und beste Grüße“
Genau weiß es Frank Irmer aus der Cottbuser Philipp-Melanchthon-Straße: „Wir sind in Forst an der Neiße, in der Cottbuser Straße. Das Automobil steht vor der Nummer 26, der Stadtsparkasse Forst. Diese besteht seit 1847 in Forst und zeigt das älteste Geldinstitut der Stadt. Im Adressbuch von 1906 ist im Hause auch ein Ludwig Bach, Manufakturwaren, gelistet. Für die abgestellten Fahrräder gilt es vorsichtig zu sein, um nicht in die Gleise der Schwarzen Jule (1843-1965) zu kommen, die vor dem Auto (hier nicht sichtbar) vorbeiführen. Zu DDR-Zeiten waren in der oberen Etage der Rat des Kreises und das Wehrbezirkskommando ansässig. Ganz links ist noch die Nummer 24, der ‘Forster Hof’, ganz früher Grand Hotel, mal Stadttheater, später Kammerlichtspiele aber fast immer Hotel, erkennbar. Heute gibt es neben der Sparkasse auch eine Apotheke in dem Haus.“
Auf die Sparkassen-Historie geht S. Sachse in seiner e-mail ein: „Aus unerfindlichem Grund fehlt am prächtigen Haus über dem mittleren Eingang die Aufschrift ‘SPARKASSE’. So erschließt sich auch der zeitkritische Bildtext nicht ganz. Aber tatsächlich war in diesem Gebäude Anfang der 1920er Jahre die Sparkasse, und der stolze Autobesitzer könnte hier sein Konto geführt haben. Immerhin zahlte man damals noch gute Zinsen. Die erste Nachricht über die Eröffnung einer Sparkasse in Forst ist von Juni 1847 überliefert. Die Adresse lautete damals Markt 111, und die Kunden wurden zunächst in der Wohnung des Kaufmanns Hackenschmidt empfangen. Einlagen wurden schon ab 5 Taler angenommen und die Sparkasse sicherte Zinsen von 3 1/3 Prozent zu. Das blieb wohl auch so, nachdem die Deutsche Mark ihren Siegeszug angetreten hatte. Die Forster Sparkasse zog in angemessene Räume im abgebildeten Geschäftshaus, nach 1926 dann in die Promenade in das jetzige Rathaus, wo sie auch in der DDR-Zeit zu finden war. Ab 1994 – die Forster Sparkasse gehörte inzwischen zur Sparkasse des neu gebildeten Spree-Neiße-Kreises – war der Sitz des Geldinstitutes der Rosenstadt wieder in der Cottbuser Straße 26“. „Forst/ Lausitz. Ob das nun eine Bank oder eine Gastwirtschaft war, wer weiß es heute noch…“ meint Burkhard Bender aus Cottbus, und aus Spremberg ergänzt Manfred Gnida: „Dieser wunderbare Flitzer fährt oder steht im schönsten Einkaufsbereich in Forst, in der Cottbuser Straße. Das abgebildete Gebäude hatte zwischenzeitlich die Adressen Stalinallee und später Straße des Friedens. Hier befindet sich die heutige Sparkasse Spree-Neiße.“ Weitere Leser erkannten oder errieten den Ort Forst. Allen ein herzliches Dankeschön.
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