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Guben: Klosterstraße Richtung Markt um 1915

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Kaufhaus mit prachtvollem Giebel von 1898 / Feuerholz für die Händler

Es gab im alten Guben etliche solcher prachtvollen Straßen, deshalb war die Lösung nicht so einfach. Geholfen haben jedoch die markanten Türme im Hintergrund. Und so schrieb uns Familie Menzel aus Guben wie viele andere die Lösung: „Es ist die Kreuzung Lindengraben, Klosterstraße, Salzmarktstraße und Damm. Geradezu ist das Textil-Kaufhaus James Kirschbaum mit dem Giebel aus dem Jahr 1898. Über diese Kreuzung fuhr die Straßenbahn Richtung Marktplatz.“
Und Bärbel Koschack recherchierte unter anderem auch in Publikationen von Andreas Peter: „Das Foto zeigt den Blick von der großen Neißebrücke in Richtung Markt in Guben. Die Ansichtskarte ist aus dem Jahre 1915/16. Geradezu führt die Klosterstraße bis zum Markt. Schräg nach rechts zweigt die Salzmarktstraße ab und mündet in die Herrenstraße. Das schöne Giebelhaus halb rechts war damals das jüdische Kaufhaus von James Kirschbaum & Co. Leo Steinberg, ein Kaufmann aus Oldenburg, war der Teilhaber. Das Haus wurde 1898 erbaut. Auf der Aufnahme im Kalender ‘Alte Ansichten’ ist die Jahreszahl im Giebel gut zu erkennen. In den Schaufenstern übereinander erkennt man die Ausstellung von Mode, Kurz- und Weißwaren. Über dem Haus der Weinhandlung Roelle erkennt man den Turm der Stadt- und Hauptkirche, in der Mitte im Hintergrund das Rathaus. Links vor dem Geschäft Roelle geht die Stadtschmiedstraße ab. In der Nummer 3 wohnten meine Eltern von 1932 bis 1939. Die Klosterstraße entlang über den Markt bis zur Lubststraße fuhr schon seit 1904 die Straßenbahn. Geradezu im Markt Nummer 4 befand sich das Herren- und Knabenbekleidungsgeschäft Haake. Pferdefuhrwerke gehörten damals ebenfalls zum Stadtbild.“
Friedemann Hausche bestätigt diese Details und erzählt am?Telefon: „Leider ist von den prächtigen Gebäuden heute nichts mehr übrig. Es war wunderbar, in diesen Geschäftsstraßen entlang zu bummeln und die Schaufenster anzuschauen. Am Wochenende hatten wir als Familie damals hin und wieder die wenige freie Zeit zum Bummelausflug genutzt, weil die Geschäfte nicht so lange geöffnet waren wie heute. Mein Vater war damals oft in der Gegend mit seinem Fuhrwerk unterwegs und versorgte die Händler mit Holz für die Öfen. Es war eine mühsame Arbeit, die wenig einbrachte, und er war eher geduldet, als ein gern gesehener Händler. Er war ja auch nicht so schick gekleidet wie wohlhabendere Händler. Aber er wusste damals keine Alternative zum Geld verdienen. Unsere Familie lebte von unserem recht kleinen Wald, es reichte gerade zum Leben. Meine Mutter half in einer größeren Landwirtschaft aus, dabei hatte sie mit unserer eigenen Wirtschaft und uns Kindern genug zu tun. Ansonsten wurde natürlich so viel wie möglich selbst angebaut, und Viechzeug hatten wir natürlich auch – zwei Kühe, die zwei Pferde für die Kutsche und reichlich Federvieh. Gleich nach der Schule hatten wir Kinder – ich hatte noch zwei ältere Schwestern – alle Hände in der Wirtschaft voll zu tun. Es war keine leichte Kindheit mit viel Toberei, deshalb hat mich ihr Rätselbild mit der Klosterstraße besonders gefreut, weil ich mit diesem Motiv an die wenigen schönen Bummelausflüge erinnere. Vielen Dank dafür!“

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