Website-Icon Nachrichten aus Südbrandenburg

Spremberg: Haus von Sattlermeister Böttcher

damals080419_spb
Lange Straße, mit Haus von Sattlermeister Böttcher

Ganz sicher ist sich unser Stammleser Dieter Herrmann aus Spremberg zu der auf der seltenen Aufnahme von Hans-Joachim Nevoigt gezeigten Bausubstanz: „Das große Geschäftshaus in der Mitte wurde im Krieg nicht zerstört, im Gegensatz zu den beiden kleineren Häusern rechts und links. Wir sehen die Lange Straße, rechts würde man zum Bullenwinkel, links zum Rathaus kommen. In diesem hohen Haus gab es zwei Geschäfte: Links gab es Betten und Matratzen von Hans Moldenhauer, wenn ich mich recht erinnere, rechts befand sich eine Puppenklinik. Puppendoktor und Geschäftsinhaberin war ein Fräulein Annemarie Vogel. Sie war in der ganzen Stadt bekannt, weil sie eine sehr tiefe Stimme und stets kurze Haare hatte. Als Kind habe ich oft voller Bewunderung vor den Regalen gestanden, wo die Puppenteile der Größe nach aufgereiht waren: Arme, Beine, Köpfe… In diesem Geschäft haben wir Kinder auch unsere Murmeln gekauft.“ Hans-Joachim Nevoigt geht in der Geschichte weiter zurück: „In dem hohen Geschäftshaus Nr. 39 waren die Malermeister Grund, Karl Senior und Junior zu Haus. Das ziemlich große Ladengeschäft führte Louis Peiser, Manufakturwaren, während der Weimarer Republik; Damenbekleidung, Ober- und Unter-wäsche. Eine gute Adresse in der Spremberger Geschäftswelt.
Das nebenstehende Haus links: Herr Böttcher war Sattlermeister und machte Reparaturen an Lederwaren und handelte auch damit.
Im Haus rechts der Nr. 39 der Familie Kanisch, das auch Krieg und Kampfhandlung überstanden hat, wohnten die Schuhmachermeister Paul Senior und Junior Bernhard. Ihre spezielle Schuhmarke war Salamander. Als Werbung gab es für die Kinder immer ein kleines grünes Heft ‘Lurchis Abenteuer’. In dem linken kleineren Laden war noch eine Putzmacherin Frau Kubick, später Frau Fellisch drin. Schöne Damenhüte!
Im hohen Haus, wo nur die Giebelspitze zu sehen ist, war der Bäckerladen von Schmidt. Zwei Schwestern haben den betrieben. Danach noch Bäcker Jurk. Aus Gesundheitsgründen war dann Schluss. Den Laden hat dann die HO übernommen und ein Rundfunk- und Fernsehgeschäft eingerichtet.“ Zu diesem Bäckerhaus ergänzt Dieter Herrmann: „Zu Weihnachten sind wir mit der Familie per Schlitten samt Trog mit Teig auf den Hof gefahren und haben hier die Stollen backen lassen. Wir Kinder haben in der Zeit, in der die Stollen im Ofen garten, Kuchen und Brezeln genascht.“
Dieter Herrmann weist noch abschließend darauf hin, dass das hohe Haus auch leicht mit einem ähnlichen Haus auf der gegenüber liegenden Seite, heute mit Molly Moden-Geschäft, verwechselt werden könnte.
Vielen Dank allen Rätselfreunden und vor allem den beiden „Geschichtsautoren“!

Die mobile Version verlassen