
Am Nischel rumort es. Aber nicht nur dort. Sondern in vielen Köpfen dieser Republik, vornehmlich im Osten.
Selten hat diese Unruhe mit „Rechts“ zu tun, auch wenn jegliche Recherche nur danach gräbt.
Wenn viele tausend Sachsen nach einem gräßlichen Mord trauernd einen Menschenzug bilden, muss etwas tief hämmern in deren Köpfen, das sie nicht ruhen lässt. Das mag die Angst sein, die ihnen Fremdes macht, das vor schwächelnder Politik ausufert. Aber da drücken auch die Schatten vergangener fast dreißig Jahre, die auf den betroffenen Gemütern liegen.
Ramelow, der thüringische Ministerpräsident, versucht zu verstehen und prangerte jetzt Treuhand-Fehler an, die „Jobs“ vernichteten. In diesem einzigen Wort schon steckt der Irrtum. Menschen hatten in der DDR keine „Jobs“, mit denen sie in möglichst wenig Zeit viel Geld erstrebten. Sie hatten Arbeitsplätze. Die waren der Mittelpunkt ihres Lebens. Sie waren stolz auf ihren Betrieb, ihr Kollektiv, ihre Erfolge. Sie zählten selten die Stunden und feierten zusammen. Die Idee, diesen ihren Lebensplatz zu verlieren, kam überhaupt niemals vor.
Bis das dann doch geschah. Erfolgreiche (West-)Unternehmen investieren heute viel Geld und Geist, um in ihren Firmen dieses Wohlfühlklima zu schaffen. Nicht selten gibt’s Duschen gleich beim Arbeitsplatz, Sonnenpausen, Feste und Ausflüge.
Aber solche Unternehmen sind nicht hier. Nicht in Chemnitz, selten in Cottbus. Das rumort in den Nischeln.
