Meine Mutter hatte – bei Gott! – nichts mit Lenin im Sinn. Aber wenn ich fröhlich die Treppen hinabstürzte auf dem Weg zur Schule, rief sie mir nach: „Lernen, lernen und nochmals lernen – denk dran!“ Wladimir Iljitsch soll sein Volk mit diesen Worten zum lebenslangen Lernen angespornt haben. Heutzutage wird dem in seinem Sinne mit viel Geld nachgeholfen. Eben hat das Berliner Ministerium für Wirtschaft und Energie dreieinhalb Millionen Euro Lerngeld in die Lausitz geschickt, damit immer mehr Leute hier aus der Kohle aus- und in den Grünen Strom einsteigen können – im weitesten Sinne. Denn die ursprüngliche Idee, alle Kumpels zu Touristikern oder Golflehrern zu machen, erwies sich inzwischen als Flop.
Was wir immer zuerst lernen (müssen), sind die holprigen Abkürzungen. Jetzt also QLEE. Das steht für „Qualifizierungsverbund in der Lausitz für Erneuerbare Energien“. Nicht gerade geschmeidig, deswegen hat man auch bisher kaum etwas davon gehört. Dabei haben die drei Projektbeteiligten Leag, das Institut für Betriebliche Bildungsforschung (auch sowas gibt’s) und der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. in über hundert Weiterbildungsangeboten schon 2.000 Menschen begrünt, also: fit gemacht fürs erneuerbare Geschäft.
Jetzt soll also QLEE, angesiedelt im Industriepark Schwarze Pumpe, mit noch mehr Geld deutlich aus dem Weichbild der Kühltürme heraustreten und zum Beispiel auch Kommunen ins leninsche Milieu locken: Lernen, Lernen, und nochmals – na, Sie wissen schon. Christine Schmidt aus oben erwähnter Bildungsforschung sagt: „Wir identifizieren Qualifizierungsbedarfe systematisch und unterstützen Beschäftigte neue Kompetenzen zu erringen.“ Strukturwandel ohne intensive Bildung wird sich nicht machen lassen. Das trifft nicht nur für Leag-Leute zu, sondern auch auf viele Beschäftigte in kleinen Betrieben der verschiedensten Branchen. J.H.
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