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Zeit für Toleranz haben

kommentar_m_klinkmuellerIn Kolkwitz und Kunersdorf stehen die Bahnhaltepunkte auf dem Spiel. Schon jetzt reiben sich deshalb viele Cottbuser in Internetforen die Hände. Ihnen sind die dörflichen Halte ein Dorn im Auge. Für die wenigen einsteigenden Dörfler verlieren die Großstädter zu viel Zeit. Das ist die Meinung vieler, die in Cottbus einsteigen, um dann aus dem Fenster blickend, statt einer vorbeiziehenden Landschaft im Auge, die Bremsen im Ohr zu haben. Verständlich ist dieser Ärger schon. Versucht doch jeder, so schnell wie möglich an sein Ziel zu gelangen. Und das ist der Punkt: Mit „jeder“ sind auch die Dörfler gemeint. Auch sie haben ein Recht, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen. Denn genau dafür sind Regionalbahnen da. Wenn der Zug praktisch nur von Großstadt zu Großstadt fahren würde, wäre er kein Regionalzug mehr. Der Name Regionalbahn sollte deshalb auch eine Verpflichtung für die Bahn und das Land sein, die kleinen, ländlichen Bahnhalte nicht zu opfern. Gerade heute, wo der Berliner Speckgürtel immer mehr Pendler anlockt, wo der künftige Großflughafen zum Arbeitgeber werden kann, wo die Region auch Berliner Tagesreisende in den Süden lockt, ist eine Schließung von Haltepunkten das falsche Zeichen. Statt die Attraktivität der Bahn zu steigern, würden Schließungen das Gegenteil bewirken. Auf die Erkenntnis, dass zu wenige Reisende in Kunersdorf und Kolkwitz einsteigen, ist die Schließung der Halte eine schnelle und bequeme Lösung. Die Frage beantworten, wie und wodurch sich noch mehr Gäste an die Bahnsteige locken lassen, wäre die richtige wenn auch zeitintensivere Lösung. Zeit für mehr Toleranz sollten sich auch Cottbuser Fahrgäste nehmen. Mathias Klinkmüller

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