Wenn Bürokratie und Gesinnung über Recht und Vernunft siegen.
Zum Jahresende kündigte die Stadt Cottbus massenhaft Pachtverträge von Garageneigentümern – offiziell wegen der angespannten Haushaltslage. Ob höhere Mieten die leeren Kassen wirklich füllen, ist mehr als fraglich. Fakt ist: Die Stadt schafft Bürokratie und Kosten, durch Verwaltung und Unterhaltung der Garagen. Doch längst geht es nicht mehr um Geld: Es geht um Kontrolle, Gesinnung und den perfekten bürokratischen Übergriff.
Im neuen Mietvertragsentwurf sollen Garagenmieter sich ausdrücklich zum Grundgesetz bekennen. Genau: Wer sein Auto abstellen will, muss sich zuerst staatsbürgerlich vergewissern. Dabei bindet das Grundgesetz den Staat, nicht den Bürger – eine mietvertragliche Pflicht ist juristisch sinnlos und wirkt wie politische Theaterkulisse.
Aber damit nicht genug: Pornografie ist künftig in der Garage verboten. Ja, richtig gelesen. Wer sich ein Magazin ins Auto legt, verstößt gegen die Mietordnung. Ob Playboy oder Poesiealbum – der bürokratische Moralkodex kennt keine Gnade. So wird aus einer Garage kein Stellplatz mehr, sondern ein Kontrollraum der politischen Korrektheit.
Die Symbolpolitik übertrifft hier jede Vorstellung von Verwaltung. Statt sich auf nachvollziehbare Mietpreise und transparente Verwaltungskosten zu konzentrieren, entsteht ein kafkaeskes Szenario: Bürger werden zu Untertanen ihres eigenen Autos. Wer künftig seine Garage betritt, braucht nicht nur den Autoschlüssel – sondern ein Gesinnungsgutachten, eine Pornografie-Freiheitsbescheinigung und vielleicht noch ein moralisches Zertifikat.
Wenn Verwaltung in jeden Winkel des Lebens eindringt, werden Garagen bald sicherer sein als die Freiheit selbst.
Frank Heinrich
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