Es stimmt, Nachrichten aus Berlin sind in diesen Tagen meist nicht das, was unser Herz erfreut. Mancher sagt: Wir richten uns auf das Schlimmste ein. Nun gibt es aber doch einen Hauch Berliner Luft, der Vernunft in sich trägt: Einmalig in diesem Jahr 2025 hat die Hauptstadt den 8. Mai als Tag der Befreiung zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Schüler bleiben daheim, Kindergärten sind geschlossen, die Supermärkte und Geschäfte auch und die werktätige Bevölkerung hält inne im Schuften fürs Sozialprodukt. Das kriselnde Land wir’s verkraften. Es geht – und das vernimmt man mit Erstaunen – dem Senat darum, „80 Jahre nach dem historischen Ereignis das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass ein friedliches Zusammenleben nach wie vor keine Selbstverständlichkeit ist“. Wie wahr!
Und wie erleichternd nach den Peinlichkeiten der letzten Tage an Elbe und Oder, wo Politiker (und Medien!) Menschen aus den früheren Sowjetrepubliken, die gekommen waren, um an den Gräbern ihrer gefallenen Landsleute Kränze niederzulegen, am liebsten weggeschickt hätten. So weit ist deutscher Anstand schon verkommen, dass mit den Millionen Opfern, die Deutschlands Befreiung gekostet hat, niederträchtigste Tagespolitik getrieben wird. Der russische Botschafter war in Seelow zum Gedenken „nicht erwünscht“. Kann solches Benehmen zu friedlichem Zusammenleben führen? Es wird allerhöchste Zeit, auf allen Ebenen den Dialog mit allen Seiten zu suchen, statt weiterhin Hass unter die Menschen zu tragen. Die Berliner Luft , zumal die in diesem fast hochsommerlichen Frühling, scheint sich dafür zu eignen. Gönnen wir den Hauptstädtern diesen für sie ungewöhnlichen Feiertag. Uns im Osten hat er über die Jahrzehnte nicht geschadet. Unseren Mitbürgern von „drüben“ blieb 40 Jahre vorenthalten, dass sich am 8. Mai 1945 ein befreiender Tag für das ganze anständige deutsche Volk zugetragen hat. Nun also: Einen besinnlichen Feiertag, liebe Nachbarn im schönen Spree-Athen. J.H.
