
Seit 100, vielleicht auch mehr Jahren leben die Lausitzer mit dem Landschaftswandel. Nie vollzog er sich so im positiven Sinne dramatisch, wie seit den 70er-Jahren, besonders aber in dem Jahrzehnt der Internationalen Bauausstellung (IBA, 2000-2010) mit dem Beinamen „Fürst Pückler Land“. Präziser wäre „Otto-Rindt-Land“, denn der geniale Landschaftsarchitekt (1906-1994), ein Wahl-Cottbuser wie auch Fürst Pückler (1785-1871), ersann die zur Lust und Erholung nutzbare Seenlandschaft in Folge des Bergbaus. Heute gibt es in Senftenberg eine Straße und eine Schule mit dem Namen Otto Rindt, aber auch in der BuGa-Stadt Cottbus ist er nicht vergessen. Von dort kam dieser Tage ein Bus wissbegieriger Mitglieder eines Stadteil-Bürgervereins ins Seenland, organisiert von der Volkshochschule Spremberg. Regionalleiter Klaus Piersig hat sich sehr engagiert, den umfangreichen Stoff lebendig und gut fasslich zu ordnen.
1. Station: aktiver Tagebau.
Wie in Jänschwalde vor den Cottbuser Toren schiebt sich Großtechnik in kühler Tiefe um Welzow. Seit 1966 wird hier am 2. Lausitzer Flöz, 14 dick, geschürft, seit 2012 im Feld Süd, wo, wie es heißt, die Kohle zunehmend besser wird, der Unmut in den zum Abbruch vorgesehenen Dörfern aber auch größer. Gunter Kalliske kann das verstehen. Ihm begegnet die Gruppe bei
Station 2 – die IBA-Terrassen. Der Mann mit dem sehenswerten Vollbart zeigt Fotos und holt mit dem Arm weit aus: 1989 stand da noch die Schule, das Dorf, die Ziegelfabrik. Da, wo die Schule gewesen sein soll, bildet märkischer Sand eine Art Steilküste drüben am Wasser. „Der Graben aus dem die Kohle kam, ist vielleicht 70 Meter tief. Die Landzunge da wird bald abrutschen. Am Ende könnte der Großräschener See 40 Meter tief sein“, erklärt Kalliske. Er klettert auf Blechlandschaft herum und zeigt die Seen mit ihrem Überleiter-Verbund. Zwölf Überleiter werden zehn Seen verbinden. Unglaubliche Millionen Kosten…
3. Station: Rostiger Nagel.
Der Turm, der bei jedem Treppenschritt blechern scheppert, steht auf einem Hügel. Unter ihm das Wehr vom Überleiter zum Sedlitzer See. Der Geierswalder See ist schon schiffbar, der Sedlitzer steigt mit dem Großräschener. „Landmarke“ heißt der Turm, ein beliebtes Radlerziel vor-erst. Irgendwann kommen Yachten vorbei…
Unser Bus wendet, fährt durch Klein- nach Großkoschen. Nicht zum längst berühmten Strand mit dem Theaterzelt, sondern – gut ausgeschildert – zu Station 4 – Singender Wirt.
So heißt das Gasthaus mit exzellent guter deutscher Küche. Und wir haben Glück – Rainer Cornelsen singt auch. Es ist die pure Heimatliebe, die in seinem warmen Bariton schwingt, wenn er vom „Schwarzen Gold“ schwärmt. Play back. Ganz professionell aufgenommen und dargeboten. Es sind diese Talente und deren Mut, die das Seenland zunehmend wirtschaftlich prägen. Früher schufteten Tausende am Flöz, im Abraum, in den Brikettfabriken. Heute braucht selbst die größte Förderbrücke nur einen Mann am Computer.
5. Schwimmende Häuser
Innovativ wie der moderne Bergbau stellt sich auch seine Nachfolge dar. Am Geierswalder See steht am Gartenzaun: „Zutritt nur für Eigner/Gäste“. Laubenpiper-Stil. Aber der Steg hinterm Türchen führt ins Wasser. Zu schwimmenden Häusern. Die seien, heißt es, zum Wohnen. Aber wohl eher nur für Ferientage. Heut ist Kleingärtnerruhe. Alles dicht.
Station 6 – der Müller.
Etwas tiefer hinein ins Sächsische führt der Weg zum Krabat-Müller. Ein Beispiel für unkonventionelles Wagnis. Wo gar nichts war, hat ein Verein größtenteil improviesierend einen Erlebnishof erstellt. Die Filme zur Krabat-Sage waren Werbung genug. 45 000 Besucher kommen jetzt jährlich. Der Verein plant und baut weiter. „Da ist noch viel Luft“, sagt der Schwarze Müller.
Nicht ganz so gut läuft es beim Senftenberger Selbsthilfeverein:
Station 7 – der Museumshof.
Es gab schon Anfragen, Haus und Hof am Großkoschener Dorfanger zu kaufen. Klar – mit etwas Geld ließe sich hier viel machen. Aber das Kreismuseum hat sich zurückgezogen und die Stadt Senftenberg hat auch kein Geld. So gibt es zwar noch leckeren Blechkuchen und ein paar stockende Erklärungen – aber die Scheune ist schon gesperrt. Einsturzgefahr. Schade, weil hier (im Gegensatz zur Krabatmühle) eben alles echt ist.
Die Reisenden haben viel bemerkt: Den Landschaftwandel und auch den der Menschen.
