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Wie wahr! Friede ernähret – Unfriede verzehret

HoffmansTalk mit Bodo Ramelow und Holger Kelch: Thüringer Botschaften und Cottbuser Bilanz.

 

 

Cottbus (hnr.) Es war die 18. Runde von HoffmannsTalk und die vierte im Gut Branitz. Wie immer prägten einige Bonmots am Rande die Atmosphäre: diesmal aus den Händen des TalkMasters eine Rose für jede Dame, gestiftet von ubg-Chef Jens Fichte, und die persönliche Begrüßung einiger besonderer Gäste, unter ihnen Gräfin Elke von Pückler und Gerald Lehmann, Bürgermeister von Luckau und Präsident des Landes-Radsportverbandes.
Um Sport ging es an diesem Abend im Gut Branitz nur ganz am Rande, bestenfalls um „sportliche“ Positionen im Ranking um landes- und kommunalpolitische Erfolge. Schnell zeigte sich, dass der Ministerpräsident Thüringens, Bodo Ramelow (Linke) und der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) darin gar nicht so weit auseinander lagen.
Einen Leitsatz für das teils durchgeistigte Gespräch hatte Ramelow dem Schlussstein am spätbarocken Portal des Gothaer Schlosses Friedensstein entnommen: „Friede ernähret – Unfriede verzehret.“
Das gilt sowieso gegen neues Waffenklirren, das beide Diskutanten energisch ablehnen, aber auch für den Alltag unter politischen Lagern. Ramelow, erster Links-Ministerpräsident, führt das Kabinett mit hauchdünner Mehrheit. „Es gab Wetten, dass ich keine 100 Tage überstehe“, sagt er, „aber ich habe mich zu jeder Entscheidung um eine breite Mehrheit bemüht. Das dauert länger, hält dann aber auch.“ Und wo es daneben ging – auch in Thüringen scheiterte die Kreisgebietsreform – „stand ich persönlich dafür ein.“
Ramelow nennt Thüringen mit viel HighTech und gutem Aufwuchs klein- und mittelständischer Unternehmen „den Westen im Osten“. Er selbst (aus „gutem evangelischen Geschlecht“ kommend, ein Ur-ur…-Vorfahre taufte als Pfarrer in Frankfurt Goethe) fand schon in SED/PDS-Zeiten aus Respekt für Gysi zur Linken. Er schwärmt für Sarah (Wagenknecht), „die aussieht wie Rosa (Luxemburg). Wenn wir noch einen hätten, der aussähe wie Jesus, wären wir nicht aufzuhalten.“
Der Wahl-Thüringer rückt gern West-Ost-Missverständnisse gerade. Solidarzuschlag, zum Beispiel, werde da wie hier gezahlt, und die damit finanzierten wunderschönen Städte im Osten sollten sich die Mitbürger von drüben hier gern anschauen kommen. „Sie haben alle von der Aufbauhilfe für den Westen profitiert, die der Osten mit 100 000 jungen, bestens ausgebildeten Arbeitskräften geleistet hat und noch leistet.“
Ramelow hat sich vor dem Talk hier im Seenland umgesehen und würdigt die LMBV-Philosophie, die sich „klug in regionale Befindlichkeiten eindenkt.“ Zur Kohle-Diskussion, die in Thüringen vergleichbar im Kali-Bergbau mit noch 4 000 Untertage-Arbeitsplätzen rumort, sagt er: „Wer laut von Dekarbonisierung (Kohlenstoff-Reduzierung) spricht, muss klare Lösungen für wirtschaftlichen Umbau zeigen.“
OB Holger Kelch schloss hier an, erwähnte Steuerrückzahlungen infolge verfehlter Bundespolitik. Seine Bilanz für knapp vier OB-Jahre reduziert sich auf eine Folge dramatischer Schadensbegrenzungen: Steuerverlust-Ausgleich, Korrektur der Folgen des Altanschließer-Skandals (die Rückzahlungen laufen noch immer!) ohne neue Kreditaufnahme, das Abwehren der Einkreisung durch die rot-roten Reformabsichten. Leider kam die Sprache nicht auf Visionen, etwa Gewerbeansiedlungen, Ostsee-Entwürfe oder eine spätere BuGa. Auch die erwarteten Aussagen zur Konstellation nach dem sehr wahrscheinlichen Lagerwechsel nach der Landtagswahl 2019 blieben leider aus.
Erstmals bei HoffmannsTalk waren Fragen aus dem Publikum zugelassen, die der Gast aus Thüringen freundlich beantwortete.

Der nächste Termin ist ein Talk on tour, nämlich am 17. Juni, 11.30 bis 13.30 Uhr auf der Cottbuser Stadtfestbühne Oberkirchplatz. Dort geht es sportlich zu, u.a. mit Lutz Heßlich, Sven Benken, Heiko Salzwedel, Claudia Pechstein , Detlef Irrgang, Ralph Lempke, Silvio Kroll. Thema: Fußball-WM – aber nicht nur…
Siehe auch im Innenteil.

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