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Reisebericht: Das Geheimnis der Quelle

Immerhin schon Wasser, aber hier noch in einem der sechs barocken Brunnen im prächtigen Olmütz / Olomouc im tschechischen Mähren am Rande des früheren Sudentengebietes

Vom mährischen Olmütz handelte Folge 1. Das war unser Ausgangsort auf der Suche nach der „versteckten“ Oderquelle.

 

An der verfallenden Kirche von Kozur und der Dorfkneipe „Zur Oderquelle“ waren wir nicht willkommen, dem Ziel aber nahe.

Wir haben uns vor Ort informiert und herausgefunden, dass zwischen Olmütz und Ostrava, also an Polens Südgrenze und kurz bevor aus Tschechien die Slowakei wird, die malerischen Oderberge liegen. Ein kleines Mittelgebirge, das in touristischen Spekulationen gar nicht vorkommt, denn es wurde nach dem letzten Krieg einschließlich der früheren Stadt Liebau (Mesto Libavà) zum Truppenübungsgelände. Ein riesiges Stück Natur, das jetzt Nato-Manövern vorbehalten bleibt. Doch es gibt seit 2016 eine Veränderung, die uns zu unserer Exkursion zur Quelle des gewaltigen, einst gänzlich deutschen Stromes, der heute vor allem Polen durchfließt, ermutigt. Das Dorf Kozlov, heißt es, liegt nahe der Quelle und hat sich dem zivilen Leben wieder geöffnet.

Böhmische Soldaten haben der Oderquelle schon 1960 ein würdiges Obdach gemauert und geschmiedet. Keiner wusste davon.

Wir fahren eine breite, sehr gut (fürs Militär) ausgebaute Straße bergan. Eben hat die Navigation noch gepasst, jetzt sagt das Handy: Kein Signal. Wir bleiben auf Kurs und kommen tatsächlich bald ans Ortsschild Kozlov. Ein langes Straßendorf, in dem viele Häuschen gerade erst renoviert werden. Oben an der Bergspitze stehen quer zum historischen Ort Wohnblocks, offenbar Soldatenheime. Wir versuchen einen Platz zwischen der schon lange von niemandem mehr betretenen Kirche und der offenbar gut gehenden Kneipe mit dem schönen Namen „Restaurace U pramen Odry“ (Restaurant Zur Oderquelle) zu finden. Doch die Wirtsleute mögen das nicht; sie sind im militärischen Sperrbezirk aufgewachsen und skeptisch gegen Fremde. Seine Frau müsse später hier parken, erklärt der Mann vom Bierhahn, und dieses Gespräch ist beendet.

Doch wir sind am richtigen Ort und erfahren, dass es die Mehrheit der Einwohner nach langem Kampf zum 1.1.2016 erreicht hat, sich vom Truppenübungsplatz Libavà zu lösen. Zusammen mit zwei Ortsteilen beginnt die Odergemeinde wieder landwirtschaftliche Strukturen zu entwickeln, knüpft mit aktiven Heimatfreunden an 700jährige Ortsgeschichte an. Der Weg zur Oderquelle ist damit frei geworden, und wir wandern die knapp drei Kilometer bergan. Rechts lässt urwaldartiges Dickicht mit mehr als hundertjährigen Eichen, Buchen und Nadelbäumen keinen Blick ins Gelände zu, links bedeckt den flachen Hang Sommerwiese soweit das Auge reicht. Am Wegesrand wachsen hier hinterm Zaun in dichten Abständen Alleebäume neu an, und die Warnschilder „Podzor Vycvik“ (Achtung Militärübung) sind allgegenwärtig. Aber die Szene wirkt nicht bedrohlich, denn oft genug erscheinen die Wegweiser zur Quelle, und immer wieder sind einheimische Spaziergänger mit uns unterwegs, meist junge Mütter mit Kindern oder Männer mit Hunden. Die Pramen Odry mutierte zum beliebtesten Ausflugsziel der Leute von Kozlov.

Ein Hütte schützt die Oderquelle, für Besucher gibt es Ruheplätze. Am Tag unseres Besuchs floss etwas weniger Quellwasser Richtung Ostsee.

Nach längerem Anstieg zweigt ein mit Holzbohlen befestigter Weg nach rechts ins Gelände ab. Informationstafeln zur Landschaft und zur Tierwelt sind hier aufgestellt, und dann kommt schon die ansehnlich Hütte mit der ummauerten Oderquelle in den Blick. Ein kronenartiges Schmiedegitter deckt den runden Brunnenschacht ab, und nur etwa einen Meter unter der oberen Mauerkante glitzert der Quellspiegel. An der Rückseite fließt aus einem Rohr, dünner als aus einem nur leicht aufgedrehten Wasserhahn, das frischeste, klare Quellwasser in einen Wiesenbach zwischen Binsen und Butterblumen und bekommt bald schon aus anderen Sickerrinnsalen dieser feuchten Hochebene Zufluss.

Unser Hund Hamzah hat vom zarten Fluss begeistert geschleckert.

Das fein gedeckte Quellhäuschen macht einen soliden Eindruck. Es wurde schon 1960 vom soldatischen Personal des damals wohl weniger verbissen betriebenen Truppenübungsplatzes errichtet.
Wie es der jungen Oder auf den nächsten hunderten Metern talwärts ergeht, können wir nur erahnen. Libavà ist riesig, und die Oder verläuft keine zehn Meter gradlinig, sondern mäandert in engen Schlingen talwärts, ehe sie im Stadtgebiet von Ostrava eingefangen und unfreundlich kanalisiert wird. Auch das bleibt ihr nicht erspart. Doch dank ihrer frühen Nebenflüsse Porubka, Bilovka, Husi potok und Budisovka von links und Ondrejnice, Lubina, Sedlnice, Jicinka und Lutha von rechts entrinnt unsere Oder ihrem frühkindlichen Garnisonstrauma gestärkt und wir treffen sie noch vor dem Übergang ins Polnische als sprudelnden, forellenreichen Gebirgsfluss.

Nächste Folge: In einem Bächlein helle

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