Website-Icon Nachrichten aus Südbrandenburg

Die Herzogin von Sagan im Branitzer Schloss

Zum Abschluss ihres Themenjahres kamen die Hüter herzloglich-polnischer Schlossparks als literarische Gäste in Fürst Pücklers Musiksalon.

Die polnische Schauspielerin Joanna Koc präsentierte im Branitzer Salon als Herzogin von Sagan Jugenderinnerungen und ein dem Original von 1852 nachgeschneidertes Kleid der bewunderten „letzten Prinzessin von Kurland“, die Parkanlagen in Güntersdorf (heute Zadonie/Zielona Gora) und Sagan (Zagan) hinterließ, die heute zum Europäischen Parkverbund Lausitz gehören. Foto: Hnr.

Cottbus (hnr.) Wer gerade im neusten NIEDERLAUSITZ-Jahrbuch die Geschichte „Zatonie, Sagan und die vier Grazien von Kurland“ gelesen hatte (seit zwei Wochen im Buchhandel) war stark im Vorteil am vorletzten Samstagabend im Musiksalon des Branitzer Schlosses. „Dorothea Herzogin von Sagan“ hatte eines ihrer prächtigen Kleider (Kopie eines Originals von 1852) angelegt und erinnerte sich der Ratschläge ihres italienischen Erziehers, die so bedeutsam waren, dass aus dem Mädchen aus einem der reichsten Häuser Preußens, das in Berlin mit den Prinzen und späteren Königen aufwuchs, eine Persönlichkeit europäischen Formats wurde. An der Seite des französischen Außenministers Charles-Maurice de Talleyrand, dessen Universalerbin sie wurde, vermittelte sie den Verhandlungen des Wiener Kongresses geniale Impulse. Nach 1815 lebte sie in Paris, später in England, um schließlich in Güntersdorf (Zatonie) mit „Hühnern vorm Fenster und brüllenden Kühen“ ein kulturvolles Zuhause zu finden. Ab 1840 wurde sie Standesherrin von Sagan, Nachbarin des Muskauer Gartenfürsten, der sie, kurz bevor er Muskau verkaufte, durch seinen Park kutschierte. „England in ausgesuchter Eleganz!“ lobte die Herzogin, nahm für ihren eigenen Park Anregungen mit. Fürst Pückler konnte ihr direkt keine geben, denn er hat Sagan nie gesehen.

Von alldem sprach Joanna Koc, Schauspielerin am Theater Lodz, die ihren Text aus einem Manuskript von Pawel Walczak in deutsch vortrug, in Andeutungen. In vornehmer Ausstrahlung vermochte sie durchaus einen Eindruck der noch heute im polnischen Zagan gefeierten Standes- herrin der Mitte des 19. Jahrhunderts zu vermitteln. Sie hat viel für die Wirtschaft, die Menschen und die Kultur in Sagan geleistet. Einiges deutete die Vortragende an, erhöht mit polnischem Charme um kleine Komplimente. Sie habe begabte Jungen aus dem Volke zu Pückler nach Muskau in die Gärtnerlehre geschickt, „erinnerte“ sie sich – eine kleine, wohl frei erfundene Referenz an den hier von Branitz 2010 ausgegangenen und 2018 auf den schlesischen Garten erweiterten Parkverbund, der Sagan heute sehr gut tut. Das 15. Jubiläum des Verbunds feierte Sagan als Themenjahr seiner Herzogin.

Weitere Beiträge aus Cottbus und Umgebung finden Sie hier!

Die mobile Version verlassen