Den Weg entlang der Spree, vorbei am Großen Spreewehr bis nach Lacoma kennen wir schon. Er ist immer wieder reizvoll. Diesmal entdecken wir viel von Menschenhand geschaffene Landschaft: den Hammergraben, die Fischteiche, die Bärenbrücker Höhe. Vom Rundweg gibt es schöne Ausblicke in die Bergbau-Produktionslandschaft und hinüber in die idyllischen Hügel Polens.
Nicht die Franziskaner und auch nicht der Markgraf von Küstrin haben diesen Hammergraben gebaut. Der, an dem wir entlangradeln ab Lacoma, ist sehr neu, von der Laubag verursacht. Immer wieder mischen sich Menschen ins Schöpferhandwerk ein, oft mit prächtigen Ergebnissen, wie die Peitzer Teiche und der alte Hammergrabenlauf beweisen. Gut 460 Jahre fließt das Spreewasser hier auf Umwegen, ermöglicht Karpfenzucht und trieb einst den Hammer der Peitzer Hütte.
Unsere heutige Tour ist reich an Zeugnissen der menschlichen Lust auf Herausforderung. Wir durchradeln Neuendorf, biegen gleich nach der Schranke am Ortsausgang links ab, nur ein Stück dem Schützengilden-Pfad folgend, dann geht’s schon los: Kräftig berg-an muß, wer nach Bärenbrück will, das unsere wandernden Großväter von hier aus noch gut erblicken konnten im flachen Land. Die Kohlegräber haben der Gegend die Merzdorfer Alpen genommen, in denen einst ganz Cottbus Ski fuhr, und sie gaben uns die Bärenbrücker Höhe dafür. Der Küstriner Markgraf würde staunen. Seine Kunstlandschaft mit vier Jahrhunderten Vorsprung ist schöner, aber diese hier entwickelt sich. Den häßlichen Beton wird man entfernen, wenn Zeit ist; wir quälen uns über ihn hinauf.
Die Sonnenblumen wachsen hier nur kniehoch, aber Sanddorn und Kiefern scheinen den Haldengrund zu mögen. Auch Wildschweine vermutlich, die wühlen hier in Überzahl. Aber keine Angst, tags sind sie scheu.
Der Ausblick! Immer wieder rückt das imposante Kraftwerk ins Blickfeld, das gierig schluckt, was Bergleute dem Lausitzer Boden entreißen. Aber was bedeutet eine schwarze Binde an der Krone des linken der 300-Meter-Drillinge? Ist es wahr, daß ihre Tage gezählt sind?
Stimmt. Das saubere Kraftwerk “raucht” völlig entschwefelt durch die Kühltürme. Die Riesen, nun dauernd kalt, würden kippen, trüge man sie nicht ab. Und das geschieht nun. Von der Spitze her wird der erste Schornstein zerschreddert, das Knabbergut stürzt nach innen und wird abtransportiert. Ein Jahr dauert der Rückbau pro Esse. Dann werden nur noch Erinnerungsfotos sein von diesem neuzeitlichen Turmbau-zu-Babel-Versuch.
Das Kraftwerk bleibt dennoch spannend; er gibt von Zeit zu Zeit Angebote, es zu besichtigen. Sind die Tore nicht offen, lohnt sich ein Stück weiter eine Visite in einem Kraftwerks-Verwandten, dem Hüttenwerk zu Peitz. Es ist ein wunderbares Museum; seit diesem Jahr gehört auch ein Fischerei-Museum dazu, und natürlich gibt es ein altbekanntes Gasthaus, das Süßwasserfisch wie kein zweites auftafelt.
Ganz hinten im Hof hat sich ein Töpfer angesiedelt, der sich gern zuschauen läßt an der Scheibe. Seine eigenwilligen Gefäße finden immer mehr Freunde.
Wir bleiben in Landschaft des Schöpfers Mensch und radeln zwischen Hälter- und Teufels-teich zurück in die Cottbuser Gegend. An der Eiche von Lacoma erinnern uns Kreuze daran, daß vieles Große gelingt, was der Mensch plant, aber auch vieles Kleine, wichtige zerbrechen kann. Verschwundene Dorfnamen mahnen…
H.
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