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Eine der bekanntesten Geschäftsstraßen in Guben

Im Eckhaus Eckhaus war einst der erste ‘Freie Laden’ im Nachkriegs-Guben.

Die Frankfurter und Alte Poststraße in Guben.

Gehard Gunias Ansichtskarte von der Frankfurter Straße in Guben hat viel Freude ausgelöst. „Gleich hinter der Neißebrücke und dem Central-Hotel und Kaffee Schönberger zweigt die Alte Poststrasse ab, wo man auch die Aufschrift Ernst Schütze-Färberei u. Chemische Waschanstalt lesen kann“, schreibt Manfred Gnida aus Spremberg. Und er fährt fort: „Abgebildet ist ein Teil der Frankfurter Strasse, welche zwischenzeitlich Adolf-Hitler-Straße, später Straße der Freundschaft benannt wurde. Sie ist eine beliebte Einkaufsmeile. Auch die Straßenbahn fuhr hier über die Neißebrücke bis in das heutige Gubin. Hier an der Neißebrücke war ja einst die Grenzkontrolle und zu dieser Zeit konnte man so um 1958/60 am Geschäft von Krüger u. Oberbeck die Aufschrift Elektrohaus Pahms, Licht-Kraft-Radio lesen.“

Nicht so gut informiert war Petra Szickora aus der Jamnoer Hauptstraße in Forst. Aber sie löste das Rätsel: „Geholfen, es herauszufinden, hat das Geschäft Erich Schütze Färberei und chemische Waschanstalt. Ich bin keine Gubenerin und in dieser Stadt nicht so bewandert, da musste das Internet aushelfen.“

Gert Richter aus Alt-Deulowitz erklärt: „In der Bildmitte nach rechts ist das Gebäude der späteren Firma/Familie Pahms zu sehen. Links davon ist das ehemalige Hotel ‘Hohenzollern’. Die anschließenden 3 Gebäude wurden vor ca. 5 Jahren von der Familie Dreißig rekonstruiert. Das Gebäude steht gegenüber dem 1830 errichteten Hotel ‘Prinz Karl von Preußen’, dem späteren Cafe Schönberger und jetzigen Polizei- und Zollgebäude. Es war bis in die 1840er Jahre die königlich privilegierte Apotheke; die besaß von 1825-29 der dann nach Luckau gegangene Karl Anwandter (unlängst im ‘Kalenderblatt’), der als Bürgermeister und Mitglied der preußischen Nationalversammlung an der Revolution 1848 teilnahm und 1850 nach Chile als politisch Verfolgter emigrierte. Dort gehörte er zu den Gründern der Deutschen Kolonie, denen man die Ansiedlung mehr als schwer machte, wodurch folgender Spruch entstand: ‘Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot’”.

Arno Schulz aus Guben schließt an: „Es handelt sich um die Geschäftsstraße Frankfurter Straße, die zeitweise Adolf-Hitler-Str. hieß, dann wieder Frankfurter Str., ab 5.Mai 1949 Straße der Freundschaft und nun wieder Frankfurter Straße. Das Eckhaus im Vordergrund ist die Nr.1 und wurde auf den Grund eines Vorgängerbaues 1891 vermutlich von dem Kaufmann G. Köhler erbaut. Bereits 1939 hatte das Grundstück der Kaufmann und Elektrotechniker Georg Pahms erworben. Sein Elektrogeschäft befand sich aber in der Königsstraße (in Gubin, nicht mehr vorhanden). Nach dem Krieg wurde darin der erste ‘Freie Laden’ als Filiale des Cottbuser Hauptgeschäftes der HO eingerichtet; später wurde es ein Konsumgeschäft. Ab 1953 hatte dann Georg Pahms darin sein Elektrogeschäft, welches nach ihm sein Sohn Günter übernahm, ihm folgte Georg-Dieter, der das Grundstück nach der Wende sanierte. Leider verunglückte Dieter tödlich und das Objekt ging für die Familie verloren. Das nachfolgende Haus war das Hotel ‘Hohenzollern’. Die folgenden Wohn- und Geschäftshäuser wurden im Krieg zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. In den zuerst privat wieder aufgebauten Häusern war anfangs das Café RiedeI und weiter das Wohn- und Geschäftshaus der Fam. Flach. Der nachfolgende städtische Häuserblock wurde in Folge der Materialknappheit nach dem Krieg in einfacher Fassadengestaltung neu auf den Ruinengrundstücken errichtet. Deshalb wurde er im Volksmund nach dem damaligen Bürgermeister als ‘Schicholdkaserne’ bezeichnet. Die jetzt vorhandenen Ladengeschäfte wurden erst nach der Wende in der ‘Schicholdkaserne’ eingerichtet.“

Jens Pumpa aus Cottbus vermutet: „Das Bild muss ca. im Jahre 1927 entstanden sein. Früher hieß die Straße ‘Straße der Freundschaft’ und ‘Cyrankiewicz-Straße’. Das Eckhaus, wo das Schild ‘CIGARREN’ zu lesen ist, war zu DDR-Zeiten ein Lampengeschäft. Das Haus wurde auch ‘Pamshaus’ genannt. Der Cottbuser Frank Irmer schreibt: „Es ist, wenn man aus Gubin über die große Brücke aus Polen kommt, das erste Haus nach der Alten Poststraße, Ecke Frankfurter Straße. Im Haus davor ist das Bundespolizeirevier. Die auf dem ganz linken Haus stehende Werbung nimmt Bezug auf die Drogerie Lindner, die sich damals in der A.-Hitler- Straße 7 befand. An dieser Häuserfont fuhr, vom Bahnhof kommend, auch die Gubener Straßenbahn bis 1938 Richtung Markt entlang bis zur Lubskbrücke. Danach gab es nur Omnibusse.“

Siegfried Krusche aus der Drebkauer Straße in Cottbus meint: „Der Fotograf stand vermutlich auf der Neißebrücke, links verläuft die Frankfurter, rechts die Alte Poststraße. Vielleicht hießen die Straßen zur Zeit der Aufnahme anders – Namen werden ja sehr vom Zeitgeist geprägt. Die Häuser stehen auch heute noch schön saniert da.“ Sabine Mischok aus der Cottbuser Sanzeberstraße hat richtig und schön gereimt, aber das Versmaß ist etwas ausgeufert, so dass für dieser Poesie hier der Platz fehlt.

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