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Die Lösung traf diesmal erstaunlich schnell in unserer Redaktion ein. Mehrere Gubener wussten, was sich in dem Backsteinbau links im Bild befand.
Ausführlicher berichten konnte Inge Roeschmann aus Guben. Am Telefon erzählte sie: „Es handelt sich um die Schmiede meines Großvaters Paul Wehland in der Kirchstraße 7. Hier ist mein Vater groß geworden.
Mein Großvater hatte das Grundstück Anfang des 20. Jahrhunderts gekauft. Ob da das Gebäude schon stand, weiß ich leider nicht. Es war eine Hufschmiede, Stellmacherei – also Wagenbau – und Schmiede für alles Mögliche, sogar Bügeleisen mit herausnehmbarem Eisenkern wurden hier ausgeschmiedet. Hier arbeiteten auch Gesellen und Angestellte. Wie viele es aber damals waren, weiß ich nicht mehr. Ich selbst war damals noch ein Kind.
Das Bild ist nach dem Krieg aufgenommen, weil rechts von der Schmiede ein weiteres Haus stand, das zerstört wurde. Die Schmiede selbst war auch getroffen und wurde deshalb später abgerissen. Auch die Schäden an der Kirche sind gut erkennbar.
Als Schmiede wurde es nur bis zu den letzten Kriegsjahren genutzt, weil meinem Großvater das Haus zu eng wurde. Noch vor Kriegsende errichtete er in der Cottbuser Straße eine größere Schmiede mit Büroräumen. Das Wohnhaus der Schmiede in der Kirchstraße steht noch. Es befindet sich links neben der Schmiede, auf dem Foto nicht mehr zu sehen. Hier haben meine Großeltern bis zur Vertreibung gewohnt. Als sie nach dem Krieg zurück kamen, waren Vertriebene aus Gubin und weiter ostwärts schon eingezogen. Und so zogen meine Großeltern in die Halle mit Büro in der Cottbuser Straße ein und wohnten hier einige Jahre. Später baute mein Großvater dort auch ein Wohnhaus.
Links auf dem Bild, wo die Bäume stehen, befand sich die Klosterschule, die ist ebenfalls stark beschädigt worden und wurde nicht mehr aufgebaut. Dort befindet sich heute der Kirchplatz.“
Winfried Müller bestätigt diese Angaben und erzählt: „Die Schmiede vom Großvater Wehland war die Hauptanlaufstelle für Pferdehufbeschlagung und Schmiedearbeiten an den Fuhrwerken. Zusammen mit dem Stellmacher Sturm, nebenan in der Laternengasse, entwickelte der Großvater Wehland den ersten gummibereiften Pferdewagen, das war Ende der 1920er Jahre. Dieser hatte damals für großes Aufsehen gesorgt, es war eine regelrechte Sensation. Die Schmiede Wehland hatte noch eine Zweigstelle in der Deulowitzer Straße 15.“
Bärbel Koschack erzählt am Telefon: „Das Foto zeigt einen Teil der Kirchstraße mit Blick über die Neiße zur Stadt- und Hauptkirche. Das Foto entstand nach 1945, ca. 1960.“ Damit liegt Frau Koschack nahe am Aufnahmedatum. Das ist genau dokumentiert, denn bei dem Bild handelt es sich um eine Aufnahme aus dem Bundesarchiv. Es wurde am 29. Juni 1955 aufgenommen, ist dort vermerkt.
Bärbel Koschack schildert weiter: „Links vorn das Gebäude war vor 1945 die Schmiede von Paul Wehland, die Nummer 7. Zwischen den Bäumen geht es zum Kirchplatz, auf dem sich früher das Kloster und danach die Klosterschule befand. Beides wurde im Krieg zerstört. Das Schmiede-Gebäude Nr. 7 wurde abgetragen, das Wohnhaus dazu steht noch.
Das zweistöckige Haus links war ein Wohnhaus. Über dem Hof links befand sich nach 1945 die Polsterwerkstatt von Herrn Kramm. Dort wurden 1954 die Polstermöbel – Couch und Sessel – für meine Eltern gebaut. Im Vorderhaus war nach der Wende zuerst ‘Isolde’, ein Geschäft für Haushaltswaren, und danach ein Konfektionsgeschäft untergebracht. Das Haus ist später weggerissen worden. Das etwas vorstehende Haus auf der linken Straßenseite weiter hinten gehört zur Kirche. Da fand der Religions- und Konfirmandenunterricht statt. Die Klosterkirche ist gut zu erkennen. Auf der rechten Seite stand damals noch ein Wohnhaus, an der Ecke zur Kleinen Kirchstraße. In diesem Haus hat unser Heimatdichter Gerd Müller nach dem Krieg als Kind gewohnt. Jetzt ist dort die Versicherung Pegasus auf dem Areal angesiedelt. Durch die Umgestaltung des Kirchplatzes entstand ein völlig neues Bild.“
Guben: Die Kirchstraße um 1955

