Website-Icon Nachrichten aus Südbrandenburg

Guben. Gaststätte „Jägerhof“ in Kerkwitz

damals101204_gu

Ausflugslokal mit klasse Ferienlager / Jagd-Leidenschaft gab dem Gasthaus seinen Namen / Seit 2006 leer
Die Lösung war nicht schwer, viele Leser haben den „Jägerhof“ in Kerkwitz erkannt. Intensiv recherchiert hat wieder Familie Koschack. Bärbel Koschack erzählt am Telefon: „Dieses Foto ist in Kerkwitz entstanden. Es zeigt den Kerkwitzer ‘Jägerhof’. Eine Gaststätte, die schon seit 1896 an der Straße zwischen Atterwasch und Groß Gastrose erbaut wurde. In den Anfangsjahren gehörte die Gaststätte zur Kerkwitzer Ziegelei. Später wurde die Gaststätte verpachtet. Der erste Pächter hieß August Kalske. Er war ein leidenschaftlicher Jäger. Auf diese Weise wurde die Gaststätte zum Treffpunkt der Weidmänner. Der Gastwirt gab dem Haus den Namen Jägerhof. 1915 erwarben Auguste und Wilhelm Vogt den Jägerhof. Seit den goldenen 20er Jahren entwickelte sich das Lokal zur beliebten Ausflugsgaststätte. 1930 starb Wilhelm Vogt, und Auguste führte das Geschäft bis 1934 allein weiter. Im gleichen Jahr heiratete
sie Gustav Dullin. Er war Geschäftsmann durch und durch, jede Veranstaltung wurde in der Gubener Zeitung annonciert. So entstanden 1935 die drei Bilder dieser Ansichtskarte. Neben dem Rätselbild Tanzsaal und Garten, beschriftet mit Jägerhof G. Dullin – Gruß aus Kerkwitz, Kreis Guben. Der Zweite Weltkrieg brachte viel Leid über die Mitarbeiter des Jägerhofes. Nach Kriegsende diente der Jägerhof als Russen-Lazarett. Es herrschten schlimme Verhältnisse. 1949 kam der Gaststättenbetrieb wieder in Gang. Erna Petke bekam die Konzession für die Gaststättenleitung. Nach vielen Mühen kam wieder Frohsinn auf – einige Kapellen spielten auch zum Tanz auf. Zum Beispiel meine Tante, damals 20-jährig, lief zu Fuß von Schlagsdorf durch den Wald, um am Tanzvergnügen teilzunehmen. 1951 übernahm Gustav Dullin wieder den Gasthof. Es gab Kinderferienlager des Cottbuser Betriebes NaCo (Nahrungsmittelkombinat). Etwa 1960 übernahm Gerhard Noack den Gasthof, welcher ihm zu einer Blütezeit verhalf. Es gab einen Massentourismus zum Deulowitzer See, wo Zeltplatz- und Bungalowsiedlungen entstanden. Auch die Flieger aus Drewitz kamen mit dem Zug zum Tanz mit den Gubener Mädchen. Anfang 1980 führte Karl-Heinz Seifer, später auch mit seiner Frau, die Gaststätte als Leiter. VEB Numerik aus Karl-Marx-Stadt, ein Großbetrieb, unterstützte großzügig und hatte viele Jahre ein Ferienlager im Objekt, bis 1990 alles noch schwieriger wurde. Die entstandene ‘Goldgrube’ bekam es mit Geschäftemachern zu tun. Er trotzte ihnen und kaufte 1996 selbst das Objekt, renovierte Grundlegend. Danach blieben aber die Gäste aus, und die folgenden Jahre gestalteten sich zunehmend schwieriger. So sehnten die Seifers ihren Renteneintritt 2006 herbei. Der nachfolgende Pächter hielt nicht lange durch, so dass schon einige Jahre der schöne Gasthof leer steht. In den beiden Heimatbriefen 2005 ist von Dr. Hartmut Schatte ausführlich darüber geschrieben worden.“
Henry Nitzschke schildert seine Erinnerungen: „Früher sind wir gern nach Kerkwitz geradelt, weil es hier zwei wunderbare Gasthäuser gab – den Jägerhof und Wehland’s. Bei beiden haben die Plinse immer lecker geschmeckt. Schade dass es nicht mehr weitergeführt werden kann. Was wird nun aus dem Haus?“

Die mobile Version verlassen