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Cottbus: Straßenbahn fahren war Ferienspaß

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Das Bild stammt aus dem Jahr 1953 – a war richtig

Leser wissen: Der alte Triebwagen wurde schon 1957 ausgemustert
In Sachen Straßenbahn kennen sich unsere Leser perfekt aus. U. Plowa aus der Cottbuser Elisabeth-Wolf-Straße erinnert sich: „Das Bild könnte 1953 entstanden sein (also Lösung A). Zu dieser Zeit kam ich als großes Kind in den Ferien nach Cottbus. Für wenig Geld durfte ich dann Straßenbahn fahren so lange ich wollte. Seit 1954 wohne ich ganz in Cottbus.“
Auch Waltraud Messer aus Burg, Am Bahnhof, wusste das Jahr, und viele andere Leser haben angerufen und übereinstimmend auf A getippt.
Wolfgang Kroschel aus der Cottbuser Hainstraße mailt: „Herrn Schlodder sei immer wieder Dank für seine wunderbaren Bilder von der historischen Cottbuser Straßenbahn. Während ich in den 50er Jahren in der Sandower Schule saß, koppelte er an der dortigen Endhaltestelle die Triebwagen um.“ Und zum Bild erwähnt er: „Der abgebildete Beiwagen 5 ging mit seinen Geschwistern 2 und 8 im Jahr 1958 nach Zwickau, der Triebwagen 11 wurde schon 1957, nach 54 Dienstjahren, abgeschrieben.“
Michael Kuhrt aus der Cottbuser G.-Moritz-Straße bestätigt den Termin, und Jens Pumpa aus der Rostocker Straße weiß es noch genauer: „Triebwagen Nr. 11, Baujahr 1903, Hersteller Waggonfabrik Gebr. Hoffmann in Breslau, Ausmusterung 1957. Beiwagen Nr. 5, Baujahr 1904, Hersteller Waggonfabrik Gebr. Hoffmann, Breslau. Beiwagen Nr. 73, Baujahr 1929, 1950 übernommen aus Dresden, Ausmusterung 1966.“
Michael Bodo Wunderlich aus der Zittauer Straße in Cottbus hat Wikipedia bemüht und fand heraus: „Am Beiwagen 5 ist die Aufschrift mit dem Ziel der Konsumgenossenschaft zur Versorgung im Fünfjahrplan angebracht. Das Fünfjahrplan-Logo ist zwar schlecht zu erkennen, aber trotzdem zu deuten. In diesem Zeitraum galt der erste Fünfjahrplan der DDR. Man musste damals dafür werben, denn er war neu. Mit diesem wurde die DDR in den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe der sozialistischen Staaten eingegliedert. Er sah vor, eine eigene Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie mit den Schwerpunkten Metallurgie, Schwermaschinenbau und chemische Industrie aufzubauen. Das ging zwangsläufig zu Lasten der Konsumgüterindustrie. – 1961 galt ein Siebenjahrplan und 1978 fuhren solche Wagen höchstens als Oldtimer.“
„Die Aufnahme“, so schreibt uns Georg Müller, „ wurde erstmals publik als Postkarte anlässlich des 75. Jahrestages der Cottbuser Straßenbahn. Man mag es kaum glauben: Die dargestellten Tramwagen sind der Seniorenkategorie zuzuordnen, denn sie haben ihre ersten Fahrten schon vor dem Zweiten Weltkrieg, so in den 30er Jahren, gemacht. (Stimmt nicht ganz, noch viel früher. Die Red.) Die Zeiten damals waren nicht leicht, die Stadtwerke machten zeitweise mit dem Straßenbahnbetrieb echte Miese. Im besagten Nachkriegsjahr 1953 hatte sich dann aus dem Kommunalen Wirtschaftsunternehmen (KWU) Cottbuser Stadtwerke inzwischen ein VEB (K) Verkehrsbetriebe der Stadt Cottbus herausgebildet. Fahrleitungen, Gleise und Fuhrpark sehnten sich allerdings nun allmählich nach einer Sanierung des längst zu beanstandenden Zustandes. Das Fahren war für die Benutzer billig, für das Unternehmen aber nach wie vor ein Verlustgeschäft; und daran hat sich natürlich bis dato auch nichts geändert.“
Olaf Dremel schreibt: „Die Bahnen, so klapprig sie aussehen, hatten Charakter. Wer in der Welt unterwegs ist, wird sehen, dass solche Vehikel aus den Jahren 1910 und 1920 in Großstädten, zum Beispiel in Portugal oder Rio de Janairo, noch ganz normal ihren Dienst tun. Warum auch nicht? Das Neuer, Besser, Schneller ist unsere unbezahlbare Krankheit.“
Auch ein Standpunkt.

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