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Cottbus: Über Wirr-Wirklichkeit

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Anmerkungen zu „Der große Marsch“ von W. Lotz

 

Unschwer zu erkennen, woher die Schauspieler, die nur Schauspieler heißen, ihre rechtwinklige Inspiration wirrer Wirklichkeit nehmen: Sigrun Fischer und Gunnar Golkowski spielen sich zeitweise in einen Rausch. Tolle Szenen, aber wo ist der Sinn? Foto: M. Kross

 

Cottbus.(MB) Der Übertitel trifft zu: Es ist sehr gutes, spannend gespieltes, aber eben „Unmögliches Theater“, und davon erst der 1. Teil. Drei sollen es werden. Umschreiben ließe sich das als: Ratloses Theater auf der Suche nach sich selbst. Die Dramaturgie will alles, nur keine wieder und wieder gezeigten Stücke nachplappern. Regietheater eben. Shakespeare, Schiller, Hauptmann, Volker Braun – wer braucht sowas?
Mit Wolfram Lotz feiert das Schauspiel nun den „Großen Marsch“. Der Mann ist vielfach preisgekrönt, aber was sagt das schon heutzutage, wo selbst die Stockholmer Nobel-Juri zur Losbude verkommen ist. Es gehe um Visionen, erklärt die Dramaturgin den vorsichtigen Besuchern, die sich gutwillig nähern. Aber genau die kommen nicht vor. Dafür kann Sigrun Fischer genial vermitteln, wie unendlich variabel Wirr-Wirklichkeit ist. Eigentlich hat Theater die herrliche Gabe, Wirklichkeit erleuchtend zu vermitteln.
Hier nicht. Alles ist eben einfach unmöglich, und der Autor inszeniert sich selbst als Trottel in die Abfolge parodistischer Kleinszenen mit einer ziemlich doof-dreisten Frau Merkel und anderen hist- und ahistorischen Persönlichkeiten. Irgendwie genial ist das schon, wenn die Schauspieler mitten in der Rolle neben ihren Job treten und zivil fragen, was das alles soll.
Ja, es macht phasenweise sehr viel Spaß, diesen purzelnden Einfällen in professioneller Umsetzung durch Sigrund Fischer und Gunnar Golkowski zuzuschauen, auch Markus Paul und Sophie Bock entfalten sich im Sog dieser zügellosen Komödianterie eindrucksvoll.
Es läßt sich vermuten, dass Regisseurin Wiebke Rüter dem Prinzip folgte, einfach keine Schranke zu setzen, wodurch sich eine pralles Werk fügte, das sie gemeinsam mit Jana Wassong (Bühne) üppig mit Eisenleitern, Holzkisten, Bauschuttrutsche und außerirdischen Bürgersprechern ausstattete. Ich hatte an der zweiten Kreuzung schon vergessen, worum es eigentlich ging, aber köstlich war es eben doch. Die Premiere hatte schon am 7. Dezember stattgefunden. Die Vorstellung am 18. Dezember war leider nur mäßig besucht. Eine Gruppe oberklassiger Schüler hatte sich organisiert hingefunden. So gab es verdienten Beifall, und wer Sigrun Fischer und Gunnar Golkowski mag (das sind nicht wenige), sollte sich den Abend gönnen. J.Heinrich

 

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