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Parnitzkes Kunellllla mit fünffachem „L“

Traditionsunternehmen feiert 125. Jubiläum mit Rekordumsatz – leicht war es zu keiner Zeit.

Im edlen Ambiente der Cottbuser Chemiefabrik wurde bei exzellenter Küche und Kultur Geburtstag gefeiert. Auch Oberbürgermeister Holger Kelch gab sich die Ehre bei Lothar Parnitzke und seiner Partnerin Diana. Mit dabei waren heutige und frühere Geschäftsfreunde, hier Uli Mixdorf, der noch bis 1985 eine Ölmühle in der Cottbuser Karl-Liebknecht-Straße betrieb. „Zu Feinkost-Kunert haben wir die Leinölfässer zum Abfüllen gleich über die Straße gerollt“, sagt er (v.r.n.l)

Cottbus (hnr.) Die Produktionsanlagen, teils in malerischer Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts, liegen heute im Ströbitzer Neubaugebiet. Ihr Ursprung lässt sich grade noch erahnen: Eine „Spreewaldkäserei“ war das. Butte-Kunert, eine Firma von gutem Ruf von Cottbus bis Breslau, kaufte den Betrieb 1919, die Brüder Max und Georg Kunert brachten ihn durch die DDR. Die Tochter von Max hielt alles in Gang, bis 1972 der VEB Feinkost Cottbus daraus wurde.
Damals war Lothar Parnitzke schon ein Weilchen dabei. Er verdiente sich beim Schuhebesohlen bei Schuhmacher Jaunik und hier beim Flaschenabfüllen Feriengeld. Mit Sondergenehmigung des Rates des Bezirkes (Jungs sollten auf den Bau oder zur NVA) durfte er in den 1960er Jahren hier eine Lehre beginnen und hängte ein Studium ran. Als er zurückkam, wurde er 1972 gleich Technischer Leiter und 1974 Betriebsdirektor.
Der Feinkostladen wurde Lothar Parnitzkes Leben, und deshalb hat er 1990 um den Bestand des Betriebes unnachgiebig gekämpft.
Er hatte einen Plan, keine Mittel und etwas Glück. Wertvolle Menschen kreuzten seinen Weg. So spricht seine Partnerin heute vom Erfolg mit den „fünf L“. Eines meint natürlich Lothar, den Chef. Das nächste „L“ gehört zu Manfred Lux, der ihm nicht nur die eigentlich utopischen 900 000 Start-D-Mark beschaffte, sondern ihm auch einen Benz hinstellte: „Du musst mobil sein, um in alle Ketten zu kommen. Bezahl’, wenn Du Geld hast.“ Parnitzke kam lange nicht zu Geld, das Auto rollte 1,5 Millionen Kilometer Richtung Erfolg. Manfred Lux ist darüber gestorben, sein Sohn Daniel war Gast der Feier.

Mit modernster Technik wird heute produziert. Die goldigen Leinölfläschchen finden den Weg zu ihren Kartons vollautomatisch | Fotos: J. Heinrich

Das dritte „L“ gehört Bernd Lewerenz, der sich um Versicherung und Altersversorgung der Mitarbeiter kümmerte, obwohl der Betrieb bis 1995 kein positives Ergebnis vorweisen konnte. Günter Lühman, nach 1990 Treuhandchef in Cottbus, ist der vierte im Bunde. Er blieb Unternehmensberater für Feinkost-Kunella und schickte ein herzliches Glückwunschschreiben. Aus Frankfurt/Main kommt mit Wilhelm Lorey der fünfte im Bunde. Weitere 600 000 Euro wurden für die Positionierung im umkämpften Markt gebraucht.
Lothar Parnitzke bedankt sich bei vielen Partnern für frühes Vertrauen „Die ersten beiden Transporter überließ uns das Autohaus Schön eigentlich ohne jede Sicherheit“, sagt er. Anfangs hatten seine Leute oft nur für einen Tag in der Woche Arbeit. Unterdessen hat sich der Umsatz von 1991 zu 2018 versechsfacht. „Kunella steht heute in 10 567 Supermärkten. Bei Mayonaise belegt die Cottbuser Marke im Produkt-Ranking nach Nestle Platz 2, bei Leinöl – wie könnte es mit dem Lausitzer Hintergrund anders sein – Platz 1. Produkte aus dem Ströbitzer Betrieb kaufen die Kunden heute unter anderem in Portugal, Spanien, Estland, Ungarn, Holland, Polen, Peru, Vietnam und China. „Also überall“, kürzt Lothar Parnitzke ab.
Den Durchbruch hat ihm die Marke mit dem Markenbild „Feinkost Kunella“ gebracht, wobei Kunella ein nicht übersetzbares Kunstwort ist. „Ohne wirklich gute Marke gibt es auf dem Weltmarkt keine Chance“, hat er gelernt. Aber auch das allein genügt nicht. Permanente Präsenz kommt hinzu. Eben ist der Cottbuser von einem großen, erfolgreichen Auftritt auf einer Lebensmittelmesse in Vietnam zurückgekehrt. Solche Aktionen sind teuer, aber unverzichtbar. „Wir finanzieren das fast immer allein“, sagt er. Von brandenburgischer Wirtschaftsförderung spürt er wenig. Erst wenn mindestens fünf Firmen sich an einer ausländischen Messe beteiligen, heißt es, kann das Land Zuschüsse geben. Dass die Energiewirtschaft Milliarden bekommt, erwähnt er nicht. Aber eine Episode bleibt im Gedächtnis. Als Lothar Parnitzke den chinesischen Markt auf einer dortigen Messe erschloss, kam eine brandenburgische Wirtschaftsdelegation an seinen Stand. „Nanu“, staunte der Minister; „wie kommen Sie denn hierher, Herr Parnitzke?“ Der antwortete: „Das fragen Sie…?“ Und die Delegation setzte ihr touristisches Programm fort. Heute würden die Potsdamer Feinkost Kunella in den chinesischen Großmärkten finden. Produkte einer Leidenschaft.

Kunella-Fakten

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