Szenenwechsel: Krieg und Krise machen den Deutschen Angst, titeln die üblicherweise gut informierten Tages- und Wochenblätter. Reisen kann helfen, dem Druck zeitweilig zu entkommen. Zu einigen Orten sind die Wege noch frei. Folgen Sie uns erneut in Städte, Wüsten und auf das weite Meer… Folge I
Vor Jahresfrist folgten Sie uns entlang der afrikanischen Westküste von Kapstadt bis Madeira. Jetzt landen wir südlich der Seychellen im Indischen Ozean – auf der Paradies-Insel
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Für Mark Twain
gab es keinen Zweifel: Gott muss zuerst Mauritius erschaffen haben und nach dessen Vorbild dann das Paradies. Belegt ist diese Reihenfolge nicht, Twains Begeisterung aber bis heute nachvollziehbar. Unter allen afrikanischen Ländern ist Mauritius das wirtschaftlich stabilste und zudem ein Naturwunder, frei von allem räuberischen Getier. Zum Ärger der Farmer flattern ein paar zu viel Flughunde durch die Gegend und naschen von den reifen Mangos und Litschi, aber sonst sind die tiefgrünen Berge, tropisch bewucherten Täler und üppigen Wasserfälle eine Augenweide. Auf flachen Flächen wächst bis heute vor allem Zuckerrohr, wirtschaftlich überholt von Textilindustrie und Tourismus. Berühmter noch als alles auf dieser Insel ist die Blaue Mauritius, als Two Penny zusammen mit ihrer Schwester, der Roten One Penny Marke, 1847 ausgegeben. Mauritius war das 7. Postgebiet mit eigenen Briefmarken. Ein Sammelstück, mit beiden Marken frankiert, wurde 1993 für fünf Millionen Euro versteigert!
Wer sich für die Mauritius-Post interessiert, erfährt im Museum der Hautstadt Port Louis (150.000 Einwohner) eine Menge; die Rote und die Blaue Mauritius aber werden unweit im Blue Penny Museum gezeigt.
Eigentlich liegt auf dem kleinen Eiland sowieso alles dicht beieinander. Vom Strand erreicht man den Regenwald in einer Stunde. Vom Tamilen-Tempel zur christlichen Kirche sind es keine fünf Minuten. Wenige Minuten außerhalb der pulsierenden Hauptstadt in den bunten kreolischen Dörfern wirkt die Zeit wie stehengeblieben. Portugiesische Seefahrer haben die Insel im 16. Jahrhundert menschenleer vorgefunden. Die Niederländer brachten Sklaven und versuchten erfolglos mit den tropischen Stürmen klarzukommen. Sie aßen den Dodo auf, einen flugunfähigen und langsamen Vogel, der noch heute Souvenir-Favorit ist. Dann haben die Franzosen die letzten Schildkröten verspeist. Anfang des 19. Jahrhunderts nahmen die weniger gefräßigen Briten die Kolonie und siedelten indische Vertragsarbeiter an, denen chinesische Fachkräfte folgten. So ergab sich heutiges harmonisches Völkergemisch. Seit 1968 ist Mauritiusunabhängig, seit 1992 eine stolze Republik. Und noch immer so etwas wie ein Paradies – eine Republik ganz ohne Militär.
Ansonsten kommt die zauberhafte grüne Insel, 85 mal 37 km groß, nicht ganz ohne Moderne aus. Der Links-Autoverkehr nimmt zu; es gibt eine Autobahn und neuerdings sogar eine Eisenbahn, die de Städte von Nord nach Süd verbindet. Wer also die siebenfarbigen Erden, ein geologisches Phänomen, oder die drei Gebirgszüge betrachten will, kommt bequem dorthin und vorm Dunkelwerden zurück.
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