Reisebericht: Modell fürs Paradies

Szenenwechsel: Krieg und Krise machen den Deutschen Angst, titeln die üblicherweise gut informierten Tages- und Wochenblätter. Reisen kann helfen, dem Druck zeitweilig zu entkommen. Zu einigen Orten sind die Wege noch frei. Folgen Sie uns erneut in Städte, Wüsten und auf das weite Meer… Folge I

Vor Jahresfrist folgten Sie uns entlang der afrikanischen Westküste von Kapstadt bis Madeira. Jetzt landen wir südlich der Seychellen im Indischen Ozean – auf der Paradies-Insel

 

Der Charme der victorianischen Zeit, aus der auch die blaue Marke mit dem Jugendbildnis der Queen stammt, wird für Touristen gern nachgestellt. Die Tour folgt der Spur der Herrenhäuser.
Der Charme der victorianischen Zeit, aus der auch die blaue Marke mit dem Jugendbildnis der Queen stammt, wird für Touristen gern nachgestellt. Die Tour folgt der Spur der Herrenhäuser.
Aus der Werkbahn wurde ein Touristen-Zügele. Ziel ist eine Fabrik der Zuckerrohrverarbeitung aus früheren Zeiten, einschließlich Besuch in der Farmervilla aus dem 19. Jahrhundert.
Aus der Werkbahn wurde ein Touristen-Zügele. Ziel ist eine Fabrik der Zuckerrohrverarbeitung aus früheren Zeiten, einschließlich Besuch in der Farmervilla aus dem 19. Jahrhundert.
Der Hafen von Port Louis. Die Hauptstadt in der flachen Lagune vor der bergreichen Insel Mauritius macht mit ihren Hochhäusern einen durchaus westeuropäischen Eindruck.
Der Hafen von Port Louis. Die Hauptstadt in der flachen Lagune vor der bergreichen Insel Mauritius macht mit ihren Hochhäusern einen durchaus westeuropäischen Eindruck.
Die siebenfarbigen Erden werden touristisch vermarktet.
Die siebenfarbigen Erden werden touristisch vermarktet.
Riesenschildkröten gab es hier nur bis etwa 1800. Diese sind von einer der Nachbarinseln „ausgeborgt“.
Riesenschildkröten gab es hier nur bis etwa 1800. Diese sind von einer der Nachbarinseln „ausgeborgt“.
Am Heiligen See verehren die Gläubigen ihre hinduistischen Gottheiten.
Am Heiligen See verehren die Gläubigen ihre hinduistischen Gottheiten.

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Die ertragreichen Kokospalmen sind in Strandnähe Charakterbäume der Ferieninsel.
Die ertragreichen Kokospalmen sind in Strandnähe Charakterbäume der Ferieninsel.
Zeburinder waren die Motorkraft der Zuckerpressen. Aus dem Rest der entsafteten Stengel, der Melasse entstand Rum.
Zeburinder waren die Motorkraft der Zuckerpressen. Aus dem Rest der entsafteten Stengel, der Melasse entstand Rum.

Für Mark Twain

Blaue Mauritius
Fehldruck oder nicht? Wie es dazu kam, dass links POST OFFICE und nicht, wie bei allen Folgedrucken, POST PAID steht, führte zu vielen Legenden und machte die Blaue Mauritius begehrt und teuer. 12 der einst 500 Exemplare gibt es noch.

gab es keinen Zweifel: Gott muss zuerst Mauritius erschaffen haben und nach dessen Vorbild dann das Paradies. Belegt ist diese Reihenfolge nicht, Twains Begeisterung aber bis heute nachvollziehbar. Unter allen afrikanischen Ländern ist Mauritius das wirtschaftlich stabilste und zudem ein Naturwunder, frei von allem räuberischen Getier. Zum Ärger der Farmer flattern ein paar zu viel Flughunde durch die Gegend und naschen von den reifen Mangos und Litschi, aber sonst sind die tiefgrünen Berge, tropisch bewucherten Täler und üppigen Wasserfälle eine Augenweide. Auf flachen Flächen wächst bis heute vor allem Zuckerrohr, wirtschaftlich überholt von Textilindustrie und Tourismus. Berühmter noch als alles auf dieser Insel ist die Blaue Mauritius, als Two Penny zusammen mit ihrer Schwester, der Roten One Penny Marke, 1847 ausgegeben. Mauritius war das 7. Postgebiet mit eigenen Briefmarken. Ein Sammelstück, mit beiden Marken frankiert, wurde 1993 für fünf Millionen Euro versteigert!

Wer sich für die Mauritius-Post interessiert, erfährt im Museum der Hautstadt Port Louis (150.000 Einwohner) eine Menge; die Rote und die Blaue Mauritius aber werden unweit im Blue Penny Museum gezeigt.
Eigentlich liegt auf dem kleinen Eiland sowieso alles dicht beieinander. Vom Strand erreicht man den Regenwald in einer Stunde. Vom Tamilen-Tempel zur christlichen Kirche sind es keine fünf Minuten. Wenige Minuten außerhalb der pulsierenden Hauptstadt in den bunten kreolischen Dörfern wirkt die Zeit wie stehengeblieben. Portugiesische Seefahrer haben die Insel im 16. Jahrhundert menschenleer vorgefunden. Die Niederländer brachten Sklaven und versuchten erfolglos mit den tropischen Stürmen klarzukommen. Sie aßen den Dodo auf, einen flugunfähigen und langsamen Vogel, der noch heute Souvenir-Favorit ist. Dann haben die Franzosen die letzten Schildkröten verspeist. Anfang des 19. Jahrhunderts nahmen die weniger gefräßigen Briten die Kolonie und siedelten indische Vertragsarbeiter an, denen chinesische Fachkräfte folgten. So ergab sich heutiges harmonisches Völkergemisch. Seit 1968 ist Mauritiusunabhängig, seit 1992 eine stolze Republik. Und noch immer so etwas wie ein Paradies – eine Republik ganz ohne Militär.

Ansonsten kommt die zauberhafte grüne Insel, 85 mal 37 km groß, nicht ganz ohne Moderne aus. Der Links-Autoverkehr nimmt zu; es gibt eine Autobahn und neuerdings sogar eine Eisenbahn, die de Städte von Nord nach Süd verbindet. Wer also die siebenfarbigen Erden, ein geologisches Phänomen, oder die drei Gebirgszüge betrachten will, kommt bequem dorthin und vorm Dunkelwerden zurück.

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