Reisebericht: Die Heimat von Big Seven

Szenenwechsel: Krieg und Krise machen den Deutschen Angst, titeln die üblicherweise gut informierten Tages- und Wochenblätter. Reisen kann helfen, dem Druck zeitweilig zu entkommen. Zu einigen Orten sind die Wege noch frei. Folgen Sie uns erneut in Städte, Wüsten und auf das weite Meer… Folge VI

Für einen Abstecher nach Armenien hatten wir unseren Safari-Kurs verlassen. Folge V dieser Reihe erschien am 4. April. Wir erreichen den Addo Elephant Nationalpark bei Gqeberha, dem früheren Port Elizabeth.

Von Petra & Jürgen HEINRICH

Big Seven, Große Sieben? Jeder Safari-Tourist ist glücklich, die Big Five zu finden. Aber sieben?

Familienbad im Nationalpark Addo Elephant in der Nähe von Gqeberha / Port Elizapeth
Familienbad im Nationalpark Addo Elephant in der Nähe von Gqeberha / Port Elizapeth.
Kaum sonstwo in Afrika leben Elefanten in so großen Gruppen beieinander wie in dem südafrikanischen Elephant-Nationalpark
Kaum sonstwo in Afrika leben Elefanten in so großen Gruppen beieinander wie in dem südafrikanischen Elephant-Nationalpark.
Um den Schutz der Kleinsten kümmern sich alle stoßzahnlosen „Tanten“ gemeinsam. Die Bullen halten sich im Hintergrund.
Um den Schutz der Kleinsten kümmern sich alle stoßzahnlosen „Tanten“ gemeinsam. Die Bullen halten sich im Hintergrund.
Nichts anderes tun sie: schlafen, jagen oder schmusen.
Nichts anderes tun sie: schlafen, jagen oder schmusen.
Kraftpaket unter den Big Five: der afrikanische Büffel
Kraftpaket unter den Big Five: der afrikanische Büffel.
Neuling im Elephant-Park: der pfeilschnelle Gepard
Neuling im Elephant-Park: der pfeilschnelle Gepard.

Der Nationalpark im westlichen Ostkap bietet einige Besonderheiten. Wer auf dem Weg dorthin die R 335 von und damit die kreuzgefährlichen Townships gemieden hat, kommt auf der N 2 über Colchester ins größte Schutzgebiet Südafrikas.
Seit 1931 wurde es angelegt und 2019 um die Marine Protected Area erweitert. So leben hier neben Elefanten, Büffeln, Nashörnern, Löwen und Leoparden auch Wale und Haie – also „Big Seven“. Die im Ozean sind aber vom Auto aus kaum zu sehen. Auch Löwen und Leoparden trifft man in hier zugelassener Pistenrunde im eigenen Auto nur mit sehr viel Glück. Aber Elefanten-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Etwas Geduld ist gefordert im Gelände, wo zunächst nur lustige Warzenschweine, einzelne Zebras und einige Antilopen auftauchen. Dann die große Bühne! Der Busch lichtet sich, offene Wüste und hundert oder mehr Elefanten, schon von Besucherautos und anderen Steppentieren umringt, schuppern sich gegenseitig in gleißender Sonne, drängen zu einem Schlammloch oder gruppieren sich schützend um die Nachwuchs-Winzlinge.

Elfenbeinjäger, aber auch die ansässigen Farmer, denen die Dickhäuter die Felder verwüsteten, hatten die hier heimischen Kap-Elefanten fast ausgerottet. Der „letzte große weiße Jäger“ Major Pretorius erlegte in einem Jahr 130 Elefanten! So gab es, als nach vielen Protesten 1931 das Reservat angelegt wurde, nur noch elf Tiere. 1954 waren es 22 Elefanten, 2004 etwa 350 und aktuell sollen es um die 800 sein. Der Park wächst auf eine Größe von 3600 km², wird artenreicher, aber die Zahl der Elefanten will man nun stabil halten. Was uns schnell auffällt, beschäftigt inzwischen auch die Wissenschaft: Nur ganz wenige der Elefantenweibchen haben hier Stoßzähne, was sonst nur für die asiatischen Verwandten üblich ist. Im benachbarten Mosambik führt man den Gendefekt auf maßlose Wilderei zurück, hier könnte er an der geringen Ausgangszahl liegen, aus der sich der große Bestand entwickelte. Es gibt Überlegungen zur „Blutauffrischung“ mit Importen aus dem Kruger-Nationalpark. Von diesem Defekt abgesehen, fühlen sich die Dicken am Kap sichtlich wohl. Bei weit über 40 Grad in praller Sonne werfen sie sich Sand oder Schlamm über die breiten Rücken und ein paar Kilometer weiter finden wir eine andere Gruppe beim Familienbad, in einem der malerischen Seen.

Für uns selbst gibt es keinen Strand, aber einen geschützten Picknickplatz. Sonst ist das Aussteigen im Reservat natürlich streng verboten, auch wenn im Elefanten-Paradies kaum Großkatzen jagen. Die und auch prächtige Büffel gibt es in anderen Parkteilen. Die Löwen wurden hier 2003 angesiedelt, und jetzt kommen auch die schnellsten Jäger der Welt, die Geparden, hinzu. Die Artenvielfalt wird dem Park guttun; ob das für den touristischen Ausbau auch gilt, bleibt abzuwarten. Inzwischen gibt es hier schon Nobelcamps mit Schwimmbad und nachts beleuchtete Wasserlöcher…
nächste Ausgabe: Die Muschelbucht

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