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Karger Beduinenalltag hinterm Zedernwald (Reisebericht Teil 10)

Feuilleton | Von | 17. Mai 2024

Szenenwechsel im Mittleren Atlas vom Wellblech zur Pracht römischer Paläste.

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In Kasba Tadla, einem Verkehrsknoten, überquert eine historische Bogenbrücke den Oum er-Riba, den größten Fluss Marokkos. Malerische Ruinen einer Kashba, die der Stadt den Namen gab, überragen die Siedlung.

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Berufsverkehr auf marokkanisch. Trotz aller Enge geben sich die Pickup-Fahrgäste gutgelaunt

Der kraftvolle Zauber von Marrakesch mit Luxushotels, Golfparadiesen, lustvollem Gauklerleben und auch noblen Campingangeboten mit Pool und feinen Parkanlagen scheint nicht zu passen zum zwar malerischen, aber doch kargen Rest des Landes. Dennoch zieht uns gerade das an. Wir nehmen Kurs nach Norden, haben Spaß mit den vielen überladenen Transportern, die Leute zur Feld- oder Bauarbeit bringen. Fast nähern wir uns auf schneller Straße wieder Casablanca, biegen aber rechts in liebsame Einsamkeit ab. Wir geraten in palmengesäumtes Quellgebiet des Oum er-Riba, beobachten ganze Dorfgemei

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Wer auch daherkommt – jeder trägt seine Last im Alltag…

nschaften beim Waschtag zwischen einfachen Palmblätterdächern. Den immer wasserführenden größten Fluss des Landes überqueren wir in Kashba Tadla auf der 400jährigen Steinbogenbrücke. Ein paar Jungens schlagen Salto für uns auf der Straße; es kommen nur selten Fremde durch ihre Gegend.

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Die Frau repariert die Blechdächer ihrer Stallungen. Für die Romantik der Landschaft hat sie keinen Blick.

Endlich erreichen wir die Hochebene bei Azrou. Die Mittelstadt liegt noch unterhalb der Korkeichen- und Zedernhöhe, galt aber immer als „Sommerfrische“, und auch jetzt treffen sich zu einem Volksfest Einheimische am Hang. Die Straße klettert steil, bricht mitunter ab, aber die Leute stört’s nicht und wir kommen heil nach oben. Feierliche Ruhe empfängt uns zwischen majestätisch aufragenden Zedern, unter denen Schafe das Gras kurzgeweidet haben. Hier leben hinterm Berg in Schneewittchen-Tälern die Halbnomaden in seit Jahrhunderten stehengebliebener Zeit. Die Männer sind unterwegs mit dem Vieh oder zu Lohnarbeit, die Frauen verwalten Hütten, Kleingetier und Kinder. Die Wege zwischen eng gebauten Budchen sind für uns unpassierbar. Wir wandern ein Stück hinein in diese andere Welt. Reste von Rundhäusern aus Stein ragen vereinzelt aus Büschen auf. Es sind Zeugen einer früheren Berber-Besiedlung. Den traumhaften Wald selbst, der zum Teil eingezäunter Nationalpark ist, bewohnen nur Tiere, dar

 

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…nur die Berberaffen schauen gelassen zu.

 

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Die römische Ruinenstadt Volubilis, vermutlich um 25 n.Chr. gegründet, gilt seit 1997 als UNESCO-Welterbe.

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Römische Spuren im Land der Berber: Bodenmosaik einer Villa in Volubilis.

unter die wenig scheuen Berberaffen. Es heißt, die Königsfamilie habe hier ihr Jagdrevier. Begegnet sind wir ihr nicht. Noch immer über 1600 Meter hoch, erreichen wir Ifrane, eine Golf- und Wintersport-Kleinstadt der marokkanischen Mittelschicht, die wohl deutschen Zuckerbäckerbaustil liebt. Das jedenfalls lässt die Architektur mancher Häuser mit Satteldach, vielen Erkern und Balkonen vermuten. Schon bald befinden wir uns in einer sehr fruchtbaren weiten Ebene, wo außer Oliven auch Getreide, Raps und riesige Zwiebeln gedeihen. Den natürlichen Vorzug hatten schon die Richtung Mittleren Atlas ausschwärmenden Römer erkannt. Unter König Juba II. von Mauretanien errichteten sie ab 25 n.Chr. die Stadt Volubilis, von deren prachtvollen Villen kunstvolle Fußbodenmosaike erhalten sind. Sie zeigen neben Gottheiten und deren wohlhabenden Anbetern auch wilde Tiere wie Löwen, Büffel, Affen und Elefanten, die es demnach vor 2000 Jahren im Norden Afrikas noch gab.
Die Reste der Römerstadt gehören seit 1997 zum UNESCO- Welterbe und erinnern an zivilen Wohlstand im ersten und zweiten Jahrhundert. Volubilis, mit 15 Hektar befestigt, wurde Provinzhauptstadt und mitten hindurch verlief als Achse die Straße von Tanger. Durch den Export von Öl und Getreide nach Rom kamen die Bürger zu Wohlstand, und die Berber der Umgebung lieferten dazu noch die wilden Tiere für die Kämpfe in römischen Arenen. Schließlich aber nahmen sich die Berber ihre Stadt zurück, vertrieben die Fremden, nutzten sie selbst oder ließen sie neuen Invasoren. Immerhin bis zum 11. Jahrhundert war die römische Metropole noch bewohnt. Erst dann nutzten die Erbauer der neuen Königsstadt Meknes die ehrwürdigen Mauern als Steinbruch für eigene Projekte. Wir sind nur 30 Kilometer entfernt und machen uns auf den Weg.

 



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