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Verkehrschaos und friedliche Piratennester (Reisebricht Teil 3)

Feuilleton | Von | 22. März 2024

Die ersten heißen Tage des Jahres an der Ramadan-beruhigten Atlantikküste.

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Höher, dichter und besser bewacht als jede Medina-Mauer ist jene, die das königliche Viertel umschließt. Für uns gab’s trotz ausreichender Torgröße keinen Einlass.

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Zu festen Zeiten kann die unter Hassan II. errichtete Moschee von Casablanca auch von Nicht-Muslimen besucht werden. Ihre Pracht ist unermesslich, dabei nicht protzig, sondern nur schön. Sie bietet 25 000 Gläubigen Platz und ist weltweit (nach Mekka und Medina) das drittgrößte islamische Gotteshaus.

Rabat war schon seit 1912 unter den Franzosen Regierungssitz und blieb es im unabhängigen Königtum seit Mohamed V. ab 1956 bis heute. Jeder Ankömmling merkt die Aura eines märchenhaften Königreichs. Alles blitzt, grünt und blüht. An den vielen Toren langer Mauern stehen phantasievoll uniformierte Wächter in roten und blauen Röcken, besetzt mit güldenen Kordeln und Knöpfen. Viel einfacher bekleidetes Personal wedelt mit Strohbesen jeglichen Staub von den Gehwegen, andere zupfen die Grashalme zurecht, und gleich scheint ein gestiefelter Kater zu prahlen: „All das gehört unserm Herrn…“ Der heißt jetzt Mohamed VI. Dessen allenthalben verehrter Vorvorgänger, Mohamed V., der das Land souverän machte, ruht im schönsten Bau der Stadt, dem vom vietnamesischen Architekten Vo Toan entworfenen Mausoleum in neomaurischem Stil.

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Rabats schönste Orte: der Andalusische Garten in der Festung und darin die Tee-Terrasse, auf der zu Minztee feines Gebäck aus Mandeln und Honig gereicht wird. Vom Meer weht eine leichte Brise.

Das eigentliche Prachtbauwerk, der Hassanturm, sollte um 1200 ein Riesenminarett werden, blieb aber nur Stumpf, weil der zuständige Sultan starb und der Bau dann ruhte. So schwärmen die Einwohner heute vor allem vom herrlich bepflanzten Andalusischen Garten im Palast aus jener Zeit und noch mehr vom Teegarten darin, wo jede Menge Katzen auf den Hockern schlafen und auf den übrigen Gäste würzigen Minztee und feines Mandel- Honig-Gebäck genießen, das freundliche Männer in farbenfrohen maurischen Kostümen unaufdringlich reichen. Die Hitze von jetzt schon über 30 Grad wird gemildert im Halbschatten.
Wirklich königlich kommt niemand daher. Das höfische Leben findet in einem fest ummauerten Rabat-Viertel statt, an dessen Zufahrt wir entschieden g

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Portugiesische Festung, heute moderne 200 000-Einwohner-Stadt. Als ein Bürger dieser Stadt Premier von Marokko war, geriet sie 2004 ins UNESCO-Verzeichnis, wurde danach aber wieder vergessen. Nur ein Haus ist renoviert.

ehindert wurden. Schade eigentlich.
So trieb es uns weiter südwärts nach Casablanca, mit mehr als 4 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes, berüchtigt als Kommune mit dem weltweit größten Verkehrschaos. Vielleicht gibt es in Indien Schlimmeres, aber auch Casablanca hat was. Je näher wir dem Kleinod, der „Grande Mosquée Hasan II.“, kommen, desto dünner wird dieser Verkehr auf zunehmend breiten, traumhaft glatt asphaltierten Fahrbahnen. Ein Paradies für Rollschuh-Kinder. Die quirlen, wenn die Ampeln rot sind, zwischen den Autos und hängen sich, sobald es grün leuchtet, an deren Hecks. Mutspiele auf marokkanisch. Wir achten auf Abstand. Was, wenn ein Kind bei beängstigend zunehmendem Tempo abrutscht…?
Es passiert nichts. Wir parken nahe an der Moschee. Für normale Pkw gibt es sogar die Tiefgarage. Das sehenswerte Heiligtum wird perfekt vermarktet. Dies ist die einzige Moschee im Land, in die Nicht-Muslime hineindürfen, ja man möchte sagen: sollen. Denn Hassan II. (Regierung 1961-’99), der diesen Bau der Superlative veranlasste und sich selbst zum Geschenk zum 60. Geburtstag machte, war eitel genug, sich die Bewunderung aller Welt zu ersehnen. Und tatsächlich wirkt alles edel an diesem Kunstwerk, dazu noch höchst innovativ: das komplette Dach hebt sich automatisch, wenn es für die bis zu 25 000 Betenden drinnen zu heiß werden sollte. Die besten Materialien des Landes sind von den besten Handwerkern der Nation verarbeitet worden für diesen „Thron Gottes über dem Meer“, wie es der Koran vorschreibt.
Wir sind tief beeindruckt, stärken uns, trotz Ramadan, mit feinen Pastillen (fleischgefülltem, gut gewürztem Blätterteig mit Mandeln und Honig) und setzen uns oben zitiertem Chaos aus. Unglaublich, wie sich trotz Kreisverkehr und Ampeln sechsspurig Fahrzeuge verkeilen und Polizisten hektisch im Gewühl rudern, um Fortkommen zu ermöglichen. Im Mobil in etwas erhöhter Position absolvieren wir die Strecke zum Stadtrand innerhalb einer guten Stunde relativ entspannt.
Die Städte werden nun kleiner, ihre Mauern aber dicker. Denn hier haben entlang der Atlantikküste die seefahrenden Portugiesen frühzeitig Stützpunkte angelegt, und zeitweise waren das auch Piratennester unterschiedlicher Betreiber. Man mag ihnen alles mögliche nachsagen – heute sind die Orte überaus friedlich, sehr gastfreundlich, und im Winter leben sie zumeist von europäischen Pensionären. El Jadida mit extrem dicken Mauern ist der Prototyp portugiesischer Bauweise und sogar UNESCO-Objekt. Außer dem Spaziergang auf der 5 Meter breiten Mauerkrone bietet es aber nichts. UNESCO blieb hier Papier. Wir finden einige Kilometer südwärts flachen Sandstrand, endlich mal ruhige See und eine romantisch darin versinkende Sonne.

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Nicht nur bei Capri versinkt die Sonne rot im Meer – auch am marokkanischen Sandstrand von Sonira Kedima begeistert ihr Eintauchen in den Atlantik die Romantiker…



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