
Der Erste Kapellmeister dirigierte Schumann, Ravel und Matthus – und plant im Norden
Cottbus (hnr.). Seine Bewegungen sind von vornehmer Eleganz, genau und immer beherrscht bis in die Spitze des kleinen Fingers, der sich abspreizt, wie der eines Lords beim Teetrinken. Konzentriert, in stiller Freundlichkeit stets die Mine. Die Musik, die das Philharmonische Orchester unter seiner Leitung zu Gehör bringt, vermag Kenner in ihren schönen Nuancen und immer genauestens erarbeiteten Stimmungen zu begeistern. Marc Niemann, Erster Kapellmeister am Staatstheater seit Herbst 2008, dirigierte vergangenes Wochenende sein letztes Abonnementkonzert, das vierte dieser Spielzeit. Er hat noch manche Aufgabe hier an dem Ort, der ihm neben vielfacher anderer Anerkennung vor zwei Jahren den Karl-Newman-Förderpreis einbrachte. Aber die Gedanken des in Hannover und Lübeck ausgebildeten, auch als Pianist erfolgreichen Dirigenten sind sehr häufig schon wieder im Norden. Im Stadttheater Bremerhaven wird er ab Herbst 2014 Generalmusikdirektor sein. „Ein Aufstieg für mich, und ich habe natürlich jetzt schon die Spielzeit zu planen“, sagt er fast entschuldigend seinem Publikum. Es wünscht dem sympathisch geradlinigen, im Kontrast zu seinem hiesigen außerordentlich temperamentgeladenen GMD geradezu entspannenden Dirigenten viel Erfolg und hoffentlich gelegentliches Wiederhören.
Das Konzert brachte in der Klammer zweier Werke von Robert Schumann, darunter, selbst im fünften, lebhaften Satz sehr verhalten, die Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op 97 – die Rheinische – Stücke von Ravel und Matthus.
Ravels faszinierende Rhapsodie „Tzigane“ interpretierte die energische Solistin Viviane Hagner auf einer feurigen Violine. Ihr Beifall schwoll zu Jubel an und war ohne Zugabe nicht zu stillen.
Gut bekannt hier in Cottbus ist Siegfried Matthus (Jahrgang 1934), dessen „Traum einer Sommernacht“ für neue Musik überaus gefällige Harmonien bringt und kein Ohr je zu strapazieren gedenkt. Solistin Viviane Hagner schien glücklich in ihrer Aufgabe. Dem „Traum“ hatte der Komponist zur Uraufführung ein „Gewitter in einer Sommernacht“ hinterhergeschrieben. Auch hier nach sanftem Donner ein seliges Erholen der beruhigten Natur. Wunderschöne Musik. Matthus trat auf die Bühne und bekam zu herrlich gebundenen Blumen starken, herzlichen Beifall.







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