Letzte Weihnachten als Bibliothekarin in Guben

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Wer gerne liest, kennt Doris Olschar. Nach 50 Jahren (!) wird sie im Februar in den verdienten Ruhestand verabschiedet Foto: U. Schameitat

Bibliotheksleiterin Doris Olschar hätte gern noch Schülern das digitale Lernen beigebracht:
Guben (U.S.). Die Leiterin der Gubener Bibliothek, Doris Olschar, arbeitet seit 50 Jahren im Bibliothekswesen. Mit 13 betreute sie bereits die Gemeindebibliothek in Deulowitz. Nach der Schulzeit arbeitete sie ein Jahr lang als Hilfskraft in der damaligen Stadt- und Kreisbibliothek, um zielstrebig 1969 die Fachausbildung zu beginnen. Mit sehr guten Leistungen wurde sie zum Studium nach Leipzig delegiert. Ab 1974 arbeitet sie als Bibliothekarin in der Stadt- und Kreisbibliothek, damals Uferstraße 24-26.  Ein zweijähriges „Intermezzo“ im Stadtgeschichtlichen Archiv in Leipzig vertiefte ihre Kenntnisse bei der Erschließung von Beständen. Dieses Fachgebiet wurde dann auch in Guben bis 1993 ihr Hauptarbeitsbereich.
Nach der Neustrukturierung des Bibliotheksnetzes wurde die Bibliothek in jenem Jahr in städtische Trägerschaft übernommen. Über Nacht wurde sie die Leiterin der Bibliothek. Ich hätte lieber als Fachfrau in der zweiten Reihe gearbeitet“, gibt sie zu. „Ich stehe ungern im Mittelpunkt“, kommentiert sie, in ihren Händen zwei ihrer Veröffentlichungen haltend: Aus der Rubrik „Guben vor 100 Jahren“ für das Neißeecho eine 500-seitige Broschüre und die Chronik der Stadtbibliothek.
Zu diesem Zeitpunkt – 1993 – gab es noch eine Zweigbibliothek in der Klaus-Herrmann-Straße. Seit Anfang der 90er-Jahre war die Stadt auf der Suche nach einem neuen Standort für die Einrichtung. Verschiedene Gebäude wurden geprüft und wegen Statik,  Besitzverhältnissen oder der Raumgröße wieder verworfen. 2005 dann der Lichtblick: Mit Fördergeldern wurde die  alte Hutfabrik in der Gasstraße umgebaut. Das zweite Obergeschoss im Seitengebäude wurde von Fachleuten der neuen Bibliothek zugesprochen. „Das war eine Herausforderung für das Projektierungsbüro und das Bibliotheksteam. Wie sollten wir die Bibliothek präsentieren?  Ein Veranstaltungssaal, moderne Technik, Internetanbindung und zeitgemäßes Ambiente waren uns wichtig“, erinnert sich Doris Olschar. Im Dezember 2005 zogen sie um, „innerhalb einer Woche wurden beide noch vorhandenen Standorte geschlossen und die Bestände in die Gasstraße umgelagert.“
Heute präsentiert die neue Stadtbibliothek mit etwa 40 000 Medien, darunter rund 5 000 „Non-Print“ einen Bestand, der von vier Lektoren ständig überprüft und ergänzt wird. „Wir arbeiten mit Steuergeldern, deshalb ist ein effektiver Einsatz der Mittel Pflicht“.
In all den Jahren hat Doris Olschar den Bestand nicht aus den Augen verloren. „Besonderes Augenmerk galt immer der territorialkundlichen Literatur.“ Vor 20 Jahren startete unter ihrer Leitung ein mehrjähriges Projekt „Retrospektive Erfassung heimatkundlicher Bestände“.  Seit 2007 erschließt ein Mitarbeiter inhaltlich die „Gubener Zeitung“ (auf Rollfilm 1871 – 1945).
„Selbstverständlich hielten die neuen Medien Einzug. Hörbücher, DVD, CD, WII, Nintendo … werden aber das gedruckte Buch niemals verdrängen“, ist sich die Bibliothekarin sicher. Aber digitales Lernen wird zunehmen: „Ich sehe in der Zukunft Schulkinder mit Tablet zur Schule gehen, wie schon in den Niederlanden.“ Ein Projekt „Lesekompetenz mit digitalen Medien“ hätte sie gern noch initiiert. Eine Aufgabe für ihren Nachfolger beziehungsweise ihre Nachfolgerin.


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