Cottbus: Rücken an Rücken zu „Paulaner“

Unten luden „Beichers Bierstuben“ ein, oben musizierte „Wachholder“.

Die barocke Villa stand in der Cottbuser Mühlenstraße.
Die barocke Villa stand in der Cottbuser Mühlenstraße.

Ganz zuverlässig gab unsere Leserin Eva Dietrich aus Kolkwitz Auskunft. Sie hat bis 1982 in dem Haus gewohnt und schickte ein Bild mit, auf dem sie selbst vor der Haustür steht: „In Erdgeschoss war eine Kneipe mit fast immer geschlossenen Jalousien. Die Öffnungszeiten kannten nur Insider. Oben wohnten Musiker der Gruppe „Wachholder“. Das Haus war voller Musik – eine herrliche Zeit“, erinnert sich die Ehefrau des „Wachholder“-Geigers R.-Christoph Dietrich. Aus Sandhausen mailt Danny Schenker: „Es sind Beichers Bierstuben in der Mühlenstraße. Als 7jähriger Enkel der Wirtsfamilie Schenker habe ich immer gerne am ‘einarmigen Banditen’ gespielt habe. Da ich von meinem Opa Alfred nur ein Foto besitze und ich ihn nie kennenlernte, möchte ich die Gelegenheit nutzen und fragen, ob jemand alte Gastraumfotos besitzt von vor 1965.“ Falls ja, bitte in der Redaktion melden. Ulrich Creutzburg schreibt: „In der Mühlenstraße stand Beichers Bierstube Rücken an Rücken mit Paulaner Bräu. Davor war ein größerer, unbefestigter Platz. Vor etwa 50 Jahren war das bevorstehende Ende spürbar. Beim Anblick von außen war immer die Frage: Ist offen? Dann die Überraschung: Ja, es ist geöffnet. Das Siechtum dauerte lange.“

Bis 1982 probten über „Beichers Bierstuben noch die „Wachholder“-Musiker.
Bis 1982 probten über „Beichers Bierstuben noch die „Wachholder“-Musiker.

Frank Irmer aus Cottbus ergänzt. „Das Haus wurde um 1780 erbaut. Hier eröffnete 1869 Franz Beicher eine Gastwirtschaft. 1946 übernahm Alfred Schenker diese Gaststätte. Leider wurde auch dieses Haus 1983 abgerissen.“ Das Gleiche schreibt auch Katrin Lehmann aus Cottbus, und Jens Pumpa fügt hinzu: „Rechts ist das Evangelische Gemeindezentrum zu erahnen. Von ‘Beichers Bierstube’ aus konnte man vom Flur aus direkt zur Gaststätte ‘Paulaner Bräu’ in der Sandower Straße durchgehen.“

Aus Cottbus bedankt sich Herbert Ramoth für eine Buchsendung aus unserem Verlag und schreibt: „Das Rätselfoto zeigt leider keinen Einzelfall für den allgemeinen Zustand der Altbausubstanz in den Städten der damaligen DDR in den 1980er Jahren, so auch in Cottbus – wie hier im Bild zu sehen – in der Mühlenstraße. In diesem Gebäude befand sich die Gaststätte ‘Beichers Bierstuben’, die von Frau Schenker, einer älteren Da-me, und ihrem Sohn betrieben wurde. In Erinnerung blieb von unseren Besuchen in den 1960er und 70er Jahren, dass das Gaststätteninnere dunkel erschien, aber die Mittagessen, vor allem die Schnitzel, vorzüglich waren. Trotz des Widerstandes gegen den Abriss erfolgte dieser Mitte der 80er Jahre, um Platz für die sogenannten Plattenbauten zu schaffen.“

Der Abriss einst so gepriesener Plattenbauten
Nachdenklich fügt Herbert Ramoth seiner Zuschrift dieses Bild mit Text hinzu: „Schon einige Jahre nach der politischen Wende begann der Abriss einst so gepriesener Plattenbauten. Dieser setzt sich bis in die heutigen Tage kontinuierlich fort, obwohl das Geschrei nach bezahlbarem Wohnraum groß ist. Das Foto entstand zu Weihnachten 2025 in Cottbus-Sachsendorf.“

Ebenfalls aus Cottbus mailt S. Sachse: „Als das Haus dann verschwunden war, habe ich bedauert, es nie von innen gesehen zu haben. Oft führte mich mein Weg zu Bäcker Schabert in der Mühlenstraße, wo nebenan die Giebelhäuser schon niedergerissen waren, und noch viel öfter ins „Paulaner Bräu“, das ehrenamtliche Denkmalpfleger 1989 vorm völligen Abriss bewahrten. Wenigstens der Giebel konnte dort gerettet werden. Danke für die Erinnerung an ein geheimnisvolles, für die Nachbarkinder ‘verwunschenes’ altes Cottbuser Haus.“