Kommentar: Dunkel

Zehntausende Berliner im Süden der Hauptstadt erlebten den Jahresanfang frierend und im Dunkeln. Besonders Ältere und Kranke, aber auch Kinder und Familien mit weniger stabilem Umfeld hatten zu leiden. Sie aber waren, so die Verlautbarung der ökoanarchistischen „Vulkan“-Gruppen, nicht das Ziel des Anschlags. Der galt den kapitalistischen Herrschern und deren fossilen Kraftwerken, denen man „den Saft abdrehen“ wolle.

Das klingt nach Klassenkampf zurückgebliebener Acht-Klassen-Schüler, auch wenn diese schon seit 2011 anhaltende untergründige Zerstörungswut linksradikal genannt wird. Nichts an alledem ist links – es ist nur erschreckend kriminell. Da es sich bei den Attentätern auf Strommasten und Kabelbäume offenbar um nur lose verbundene irre Spontigruppen handelt, tappen die trägen Ermittler auch bei hellem Tageslicht im Dunkeln. Die Gesellschaft, die Geld und Geist auf ferne Kriege lenkt, erweist sich am eigenen Herd als nahezu ungeschützt und hilflos. Dass es keine ausreichenden Sicherheitsstrukturen gebe, führt Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auf leere Kassen zurück, und auch andere Länder, einschließlich Brandenburg, räumen ein, dass sie ähnlichen Situationen kaum gewachsen wären. Auch Cottbus hatte schon flächenhafte Stromausfälle, die allerdings durch betriebliche Havarien, nicht durch bösartige Fremdeinwirkung verursacht waren. Sie wurden damals ziemlich professionell und schnell behoben.

In solchen Situationen stellt sich neben allem Mitgefühl für Betroffene stets die Frage ein, wie sicher unsere Infrastruktur nicht nur im jetzt immer häufiger zitierten möglichen Kriegsfalle, sondern auch in Friedenszeiten ist. Es gibt sehr viel zu tun im eigenen Lande, in dem Brücken ein- und Züge wie Flüge ausfallen und die sichersten Stromerzeuger demnächst in den Ruhestand gezwungen werden. Wer sitzt dann wohl im Dunkeln? J.H.

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