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Forst: Abschiedsschmerz bei Stadtbahnern

1. April 2016 | Von | Kategorie: Bilder aus dem alten Forst (Lausitz) |

Forst: Abschiedsschmerz bei Stadtbahnern

In unserer letzten Ausgabe sind wir der Schwarzen Jule in der Bahnhofstraße in Forst begegnet

Leser erinnern sich an die Jule, die auch durch die Bahnhofstraße dampfte:
Mehrere Leser haben die richtige Lösung zu unserem Rätselbild in der Osterausgabe gewusst. Dazu gehört auch Wolfgang Schenk aus Forst. Er schreibt folgendes: „Meine Erinnerungen an einen Tag voll Abschiedsschmerz von unserer geliebten, aber auch manchmal verfluchten Jule, wenn sie in der Stadt ihren Ruß in die offenen Zimmerfenster oder über die frisch gewaschene weiße Wäsche auf der Leine prustete: Die Jule Nummer 2 ging  am 31. August 1965 mit zwei mit Sitzgelegenheiten für die Belegschaft ausgestatteten Schuttloren und einem Flachwagen auf ihre letzte Fahrt durch Forst. Auf dem Flachwagen war eine Pyramide befestigt, auf deren Flächen über die Geschichte der Forster Stadteisenbahn und ihre Leistungen in 72 Jahren berichtet wurde. Und zwar alles sauber auf Buntpapier festgehalten. Auf der Pyramidenendseite des kleinen Zuges wurde auf das Ende der Fahrt auf Stadtbahnschienen hingewiesen und auf den Beginn der Gummi-Konkurrenz, wie die Stadteisenbahner den VEB Kraftverkehr nannten. Abschiedsschmerz gab es bei den Stadtbahnern und auch bei mir. Für mich begannen meine letzten Monate im Tierpark Cottbus, den ich leider zum Jahresanfang 1966 verlassen musste, weil der Rat der Stadt Cottbus meiner Familie keine Wohnung zuweisen konnte oder wollte?! Schade, es sollte eine Tätigkeit bis zur Rente werden. Meine Frau hatte auch schon ein Arbeitsverhältnis beim Rat des Bezirkes Cottbus. Durch die Geburt unseres zweiten Kindes musste ich meinen geliebten Beruf an den Nagel hängen und mir in unserer Heimatstadt Forst eine Übergangsbeschäftigung suchen, um meiner Frau in dieser mit viel Mehrarbeit verbundenen Zeit möglichst oft Arbeit abnehmen zu können. Denn bei meiner mit vielen Überstunden ausgedehnten Arbeitszeit im Tierpark, der sich in den 1960er-Jahren in
explosiver Vorwärtsentwicklung befand, wäre das nicht möglich gewesen. Es gab sogar Tage, an denen ich nach getaner Arbeit um Mitternacht mit dem Fahrrad nach Forst zurückfahren musste, da der letzte Zug des Tages längst abgefahren war. Deshalb konnte ich den Abschiedsschmerz der Stadteisenbahner so gut nachempfinden, denn auch sie waren sehr eng mit ihrem Beruf verbunden wie ich. Für mich begann im Januar 1966 der Tierparkabschnitt des Loslassens, hatte ich mich doch so auf die Zusammenarbeit mit meinem vierten Tierparkleiter Klaus Jürgen Jacob gefreut, der im März 1966 die Einrichtung übernommen hatte und viele Meinungsübereinstimmungen mit meinem Stellvertreter, mit dem Wirtschaftsleiter und mit mir zur Weiterentwicklung des Tierparks besaß. 1966 war ich dann schon ein Mitarbeiter der ‚Gummikonkurrenz‘ der Stadteisenbahner beim Kraftverkehr Cottbus und übernahm teilweise deren Arbeit als Arbeiter auf dem Güterboden und als Beifahrer auf den Lkw.“
Franz Bergmann schreibt per Mail: „Es handelt sich natürlich um eine Aufnahme unserer Schwarzen Jule. Sie rattert auf dem Bild gerade durch die Bahnhofstraße. Ich erinnere mich noch daran, wie zum Abschied der Forster Stadtbahn, dass muss Mitte der 1960er-Jahre gewesen sein, Sitzgelegenheiten für die Bahner in die Loren eingebaut wurden und sie durch die Straßen rollten. Eigentlich ist es schade, dass die Bahn heute nicht mehr fährt. Das wäre neben dem Rosengarten eine enorme Touristenattraktion für unser Forst. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.“
Gisela Müller merkt ebenfalls per E-Mail an: „Ja, unsere Schwarze Jule. Sie verband früher die vielen Forster Textilfabriken und transportierte verschiedene Produkte hin und her. Manchmal gab es dabei brenzlige Situationen, etwa wenn ein Autofahrer oder auch ein Radfahrer die Jule übersehen hatte, meist aber noch im letzten Moment bremsen konnte. Auf dem Rätselbild fährt die Bahn gerade durch die Bahnhofstraße.“
Und Irmgard Freimann schreibt: „Hier rollt die Jule durch die Bahnhofstraße. An manchen Stellen unserer Stadt sind die Gleise noch bis heute zu sehen. Wenn mich nicht alles täuscht, hat sich im Spätsommer vergangenen Jahres die Einstellung unserer Stadtbahn zum bereits 50. Mal gejährt, denn das war im August 1965. Naja, anschließend übernahm der Kraftverkehr die Transportaufgaben. Aber schade ist es um die kleine Bahn selbst heute noch allemal.“
Gewonnen hat dieses Mal Wolfgang Schenk aus Forst.
Herzlichen Glückwunsch!




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