Cottbus: Arbeitswagen der Straßenbahn mit der Farblampe

damals120317_cbIn den 30er Jahren gab es die Tram-Verbindung zwischen Post und Bahnhof
Natürlich handelt es sich hier um einen Arbeitswagen. Die Lampe links oben konnte die verschiedenen Farben der Roten, Weißen oder Gelben Linie einstellen. Vom Wagen aus wurden auch Oberleitungen repariert.
Diethart Schulz schreibt: „Der Arbeitswagen für Gleis- und Oberleitungsreparaturen verlässt den Betriebshof in der Berliner Straße. Der Fahrer der Bahn trägt die typische Arbeitskleidung. Auch das robuste Fahrgestell der Bahn deutet auf einen Arbeitswagen hin.“
Georg Müller beschreibt die Situation recht drastisch: „Voll optimistischen Tatendrangs steuert der Werkstattmeister vom Dienst sein zwar etwas schäbig aussehendes, doch seit Jahren bewährtes Gefährt einem Oberleitungsschaden in der Sprem zu. Ihm kann es recht sein, lieber den Kampf mit den fast täglich auftretenden Problemen an Gleis und Fahrdraht aufzunehmen, als im gerade begonnenen Zweiten Weltkrieg verheizt zu werden. Gestern bekam er die UK-Mitteilung, während sein uniformierter Kollege mit verkniffenen Gesichtszügen seiner eigenen Zukunft mutlos entgegensieht. Dem Arbeitswagen ist es so oder so egal, seine Verschrottung wurde erst einmal zurückgestellt; er wird das Tausendjährige Reich ohne Glanz und Gloria wohl überstehen.“
Michael Kurth analysiert: „Meines Erachtens handelt es sich bei dem uniformierten Beifahrer um einen Postbeamten, da er eine Schirmdienstmütze mit einem (vermutlich) Hoheitsadler trägt, wie sie damals für Postbedienstete vorgeschrieben war.“
Gerald Haupt kennt sich offenbar im Postdienst aus: „Übrigens: Einen Pendelverkehr, wie in Variante B der Fragestellung angedeutet, zwischen Hauptpost-Hof (damals Reichspost) und Bahnpostamt gab es tatsächlich. Eine Straßenbahn brachte die Pakete, die die Cottbuser am Paketschalter aufgaben, durch die Bahnhofstraße direkt zum Bahnhof. Im nördlichen Teil der Bahnhofstraße ab Karl-Liebknecht-Straße (früher Kaiser-Friedrich-Straße) gab es ab 1930 überhaupt nur deshalb noch ein Straßenbahngleis. Die Strecke zum Spreewaldbahnhof, die einst hier verkehrte, war da schon eingestellt worden.“
Jens Riedel scheint ein wenig zu flunkern, wenn er meint: „Das ist doch ein ganz schickes und robustes Modell. Für manche Leute genau das Richtige, da können sie sich drin so benehmen, wie die Kiste aussieht. Ich schätze mal, dass das kein Tiertransport war, weil zum Tierpark keine Straßenbahn, sondern nur eine Parkbahn führt. Also wird es wohl ein vollelektronischer Arbeitswagen des Verkehrsunternehmens sein – oder?“
Ja, ist schon richtig. P. Hartman hat gemailt: „Hätte diesmal auf rollende Bockwurstbude getippt. Aber das war nicht im Angebot. Wieso nicht?“
Jens Pumpa schreibt: „In den Jahren 1918 bis 24 wurden die Wagen Nr. 30 (im Bild) und 31 als Posttriebwagen verwendet. Triebwagen Nr. 30, Baujahr 1908, nutzte man ab 1924 als Arbeitstriebwagen bis zu seiner Ausmusterung im Jahre 1960.“