Dachreiter ist hier Zeichen der Zeit / Das Türmchen markierte nach außen den Ort des Altarraumes
Auch gute Cottbus-Kenner wie unser Leser Diethart Schulz haben sich diesmal verunsichern lassen. Das Motiv mutete tatsächlich älter an, als es wirklich ist. Auch das scheinbare Fehlen von Oberleitungen und Straßenbahnschienen half nicht weiter. Möglicherweise haben die Ansichtskartenverlage früher die optisch störenden Oberleitungen retuschieren lassen; die Schienen sind aber beim sehr genauen Hinsehen doch noch zu erkennen.
Georg Müller aus Cottbus entdeckte sofort das Zeichen der Zeit: „Der schlanke Dachreiter auf St. Nikolai ist es, der diesmal die Rätseltrilogie zweifelsfrei auflöst. Das gewählte Motiv ist dem Jahre 1932 zuzuordnen; da hatte das Meisterwerk hiesiger Zimmererfertigkeit durch seine Platzierung auf dem Kirchendachfirst inzwischen über zwei Jahrzehnte lang eine zusätzliche Zier des Kirchenäußeren darstellen können. Das Türmchen gab durch seine Lage übrigens auch die Wegweisung auf die Trennung vom Langhaus zum Chor im Kircheninneren – so hatte also dieses schlanke Türmchen durchaus seinen Sinn für den baulichen Zusammenhang, dem die robuste Kriegseinwirkung 1945 allerdings, wie vielem, ein Ende setzte.“
Ja, das Türmchen steht über dem Presbyterium, also jenem Raum an Alter, in dem früher nur die Würdenträger der Kirche beteten. Er war (und ist oft noch) in alten Kirchen massiv abgetrennt vom Kirchenschiff. Manchmal saßen dort auch die Chorsänger, die den Gottesdienst unterstützten. Deswegen heißt der Bereich in der Kirche heute einfach Chor oder Altarraum.
Auch Michael Kuhrt aus der Cottbuser Moritzstraße schreibt uns: „Der Dachreiter auf der Oberkirche wurde erst 1906 aufgesetzt und 1945 zerstört.“
Unser Leser Otto Blunck stellt gleichfalls fest: „1905 gab es das Türmchen auf der Oberkirche noch nicht. Und mit der Wiederherstellung von 1955 bis 1970 verzichtete man auf dieses architektonisch interessante Detail.“
Der rechten Bildhälfte wendet sich Eduard Lindner zu, wenn er an die Bäckerei Kästner und anschließende Geschäftsadressen erinnert: „In den sogenannten ‘Drei Gleichen’, also ähnlich wirkenden Giebelhäusern, war in einem die Bäckerei, an die sich wohl jeder ältere Cottbuser erinnert. Kästner war nicht nur Bäcker, sondern zugleich auch Schankwirtschaft. Ich bin nicht sicher, ob das Vater und Sohn oder zwei Brüder waren – jedenfalls gab es zwei Herren Kästner, einen Bäckermeister und einen Kornbrenner und Schankwirt. Ein paar Häuser weiter waren dann Richtung Sandow die Versteigerungshallen des Herrn Auktionators Tharan, der in der Sandower Straße mehrere Häuser besaß. Und noch weiter hin gab es die wohl älteste Cottbuser Gaststätte, die Karl Paul betrieb. Später, bis etwa Ende der DDR, war das ‘Die Münze’ mit regen Stammtischleben. Leider ist das eindrucksvolle Barockhaus abgerissen worden. Auch die schon erwähnten ‘Drei Gleichen’ sind mutwillig zerstört worden.“