damals111105_guZweieinhalb Kilometer mit der  mit der Bahn / Apotheke zeigt seltenen Giebel
Die wunderbare Karte aus dem Bestand von Karl Heinz Schlodder brachte nicht nur Straßenbahn-Liebhaber zum Träumen. Arno Wende schreibt: „Die Straßenbahn war eine Augenweide. Die Stadtwerke haben mit dem Nachbau einer solchen Bahn deutlich gemacht, mit welchem Aufwand und welcher Liebe zum Detail diese Bahnen geschaffen wurden. Die Straße selbst müsste damals Bahnhofstraße geheißen haben, heute ist es wieder die Berliner Straße, nachdem sie zu DDR-Zeiten Wilhelm-Pieck-Straße hieß. Interessant ist die Ansicht der Apotheke links. Ich bin gespannt, ob einige Leser das Datum der Aufnahme ermitteln können, denn dieser Giebel soll nicht lange existiert haben.“
Familie Koschack recherchierte und gibt gleich Antwort: „Das Foto zeigt die heutige Berliner Straße nach 1904 bis etwa 1906. Die Gubener Straßenbahn (1904 bis 1938) war gerade in den Dienst gestellt worden für die Bürger und war – wie man sieht – noch eine Attraktion. Sie fuhr vom Bahnhof bis zur Lubstbrücke und zurück. Zirka 2,5 Kilometer lang oder besser kurz war diese Strecke, die mit 16 Haltepunkten und vier Weichen damals trotzdem eine Bereicherung für Guben war. Der auf dem Foto fahrende Triebwagen Nr. 6 war als letzter 1904 in Betrieb gesetzt worden.
Die späteren Bäume (Kugelrüster) sind noch nicht gepflanzt. Den Säulenbalkon der Apotheke gab es bis 1910. Nach Umbauten stand nur noch ‘Apotheke’ am Giebel der Schwan-Apotheke.
Links im Bild sieht man das Eingangsportal der Evangelisch-Lutherischen Kirche, die 1903 durch eine Stiftung von Friedrich Wilke gegründet wurde. Die damals namhaften Baumeister Spalding und Grenander haben das Bauwerk geschaffen.
Daneben steht das 1870/71 erbaute Doppelhaus mit Tordurchfahrt. Rechts Parterre wurde 1894 eine Apotheke vom Greifswalder Apotheker L. Reinhardt eingerichtet. Nach seinem Tod übernahm 1904 Max Strehmel die Apotheke, welche sein Sohn Dr. Heinz Strehmel ab 1933 bis 1945 leitete. Von 1991 bis heute ist das Haus wieder im Besitz der Nachfahren von Dr. Strehmel. Zwei Söhne, Apotheker aus Wolfsburg, haben den Umbau der Apotheke und den des Gebäudes in ein Ärztehaus veranlasst.
Der Giebel rechts mit der Aufschrift ‘Baugeschäft’ war schon 1910 nicht mehr sichtbar, denn das noch heute stattliche Haus Nummer 5A war dazwischen gebaut worden. Der Besitzer des Baugeschäftes und Hauseigentümer war Bruno Schneider, Maurer und Zimmerermeister, eben in diesem noch fehlenden Haus Nummer 5A.“