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Poetkos Weinstuben Osterberg 14

Unser letztes Rätselbild entführte die Leser wieder auf die heute polnische Seite. Trotzdem ist das herrliche Haus noch gut bekannt. So schreibt Reiner Ladewig: „Zu ‘Poetkos Weinstuben’ gelangt man auch über die Crossener Brücke direkt den Osterberg hinauf, dort Nummer 14, rechter Hand. Man kann die über die Straße gehängte Weintraube nicht übersehen. Hier gelangt man zur ältesten Gubener Weinhandlung und Weinschank. Vom Markt aus gehen wir über die Kurze Straße zur Königsstraße nach Norden. Ferdinand Poetko lagerte auch einen großen Bestand an Rhein-, Mosel- und Bordeauxweinen. Hier war der Sitz der Gubener Export-Apfelkelterei und Weingroßhandlung, gegründet 1855. Ferdinand Poetko wirbt in einem Inserat: ‘Größte Apfelweinkelterei Norddeutschlands, Inhaber der Kgl. Preussischen Staatsmedaille. Für besten Apfelwein. Garantie für absolut naturreinen Apfelsaft’. Im Versand waren damals: Der mehr als 20 Mal preisgekrönte 1A-Apfelwein in Gebinden zu 35 Liter, zu 30 Pfennig/Liter, 1A-Apfelwein Auslese, genannt Borsdorfer, aus edelstem Gebirgsobst unter Mitverwendung von Borsdorfer Äpfeln hergestellt zu 50 Pfennig/Liter, 1A-Apfelwein Champagner zu 1,50 Mark/Liter, Johannes-, Stachel- und Brombeerwein und vielfach preisgekrönte hochedle Frühstücks- und Dessertweine zum Preis von 1 Mark/Liter.
In einem Gedicht heisst es: ‘Gebt euren Mädchen und den Buben, nur Poetkos Apfelsaft aus Guben.
Wer nicht mag Abstinenzler sein, der trinke Poetkos Apfelwein.
Doch wer da liebt das Traubenblut, kauft billig und bei Poetko gut.’ Vor dem 1. Weltkrieg werden für den direkten Weinausschank im Einwohnerbuch neben der Firma Poetko, Osterberg 14, folgende Firmen angegeben: Hilscher, Kastaniengraben 6, Perwo, Crossener Straße 34, Scharfenberg, Crossener Straße 23, Schwensky, Krautweg 6, Wandke, Haagstraße 22, Rölle, Klosterstraße 2, Schulz, Herrenstraße 11 und Schulze, Jentschplatz 3. Bis zum 2. Weltkrieg gab es in Guben etwa 40 Weinhandlungen bzw. Weinausschanke, die z.T. mit Fruchtweinkeltereien verbunden waren. 1929 standen auf 600 Morgen Obstbauland bis zu 12?000 Süßkirsch- und 4?000 Sauerkirschbäume. Dazu kamen 3?000 Pfirsich-, 4?000 Spillings- und je 8?000 Apfel-, Birnen und Pflaumenbäume. Im Einwohnerbuch von 1936 ist unter der Anschrift Osterberg 14 Max Hilscher als Weinproduzent vermerkt.“
Auch Werner Koschack wusste genau Bescheid, er zitierte ebenfalls das Gedicht und ergänzte: „Nach dem 2. Weltkrieg machte Max Hilscher eine Obstpresse in der Grünstraße auf – hier war später die Getränkeversorgung.“