Guben: Zindelplatz mit Dickem Turm und Drogerie Witt mit Tanksäule

damals120428_guBenzin gab es an der Drogerie / Blick auf den Zindelplatz mit Dickem Turm und Benzin-Zapfsäule
Christian Dulitz schildert am Telefon: „Das ist der Dicke Turm. Rechter Hand ist ein Geschäft zu sehen: Arthur Nathke, Lebensmittel, Spirituosen und Eisenwaren. Das ist das Haus meines Großvaters. Meine Mutter hat bis zu ihrer Hochzeit dort gelebt. Die ganze Passsage ist heute nicht mehr da, sie wurde durch den Krieg zerstört.
Die im Bildtext erfragte Säule ist eine Tanksäule. Dort hat man offensichtlich Benzin gekauft. Wahrscheinlich hat der Drogerist Julius Witt dort Benzin verkauft.“
Rosi Just schildert: „Ältere Gubener müssten es eigentlich noch kennen, dass der Kraftstoff beim Aufkommen des Automobilverkehrs zuerst nur in Drogerien verkauft wurde. Insofern ist es logisch, dass sich die Zapfsäule vor der Drogerie von Julius Witt befand. Allerdings war das Zapfen damals noch nicht in Selbstbedienung zu tätigen, nur der Drogist oder ein Angestellter durften die Apparatur bedienen. Das war auch nicht so einfach, weil es ja noch keine Elektropumpen und digitale Zählwerke gab.“
Herr Menzel schreibt: „Schön zu sehen ist auf dem Foto der Turmkopf, der analog anzeigt, was die Stunde geschlagen hat. Auf der rechten Seite des Bildes ist das Geschäft vom Kaufmann Arthur Nathke, Zindelplatz 12, zu sehen. Auf der linken Seite, Zindelplatz Nummer 15, befand sich die Drogerie von Johann Julius Witt. In dem Gebäude wohnte auch Sanitätsrat Dr. med Gustav Brauner.
Der Zindelplatz erstreckte sich vom Jentschplatz bis zur Lubststraße. Schön zu sehen ist wieder die Gubener Straßenbahn auf ihren Gleisen.“
Vielen Dank allen Ratefreunden, vor allem für die Details.

Nachtrag:
Oberschuldirektor wohnte in der 14 / Werbeschilder mit interessanten Details
Zum Rätselbild erreichte uns nachträglich Post. Familie Koschack schreibt: „Das Foto zeigt vom Zindelplatz aus gesehen den Werderturm auf dem Hugo-Jentsch-Platz. Die großen Bäume verdecken den Teil der Stadtmauer, der noch erhalten ist. Das Foto stammt sicher aus den 1920er Jahren. Rechts das erste Haus Nummer 11 war der Friseur Max Ritter. Nummer 12 war das Eisen- und Kolonialwarengeschäft von Arthur Nathke. Eine Enkeltochter von ihm besuchte mit mir die Schule. Die Straßenbahn war in Fahrtrichtung Zindelplatz, Lubststraße, Lubstbrücke unterwegs – oder zurück. In der Nummer 14, links, wohnte 1920 der Oberlehrer Erich Müller, später wohnte er in der Bergstraße 32. Er war nach dem Krieg Direktor der Oberschule und wohnte dann in der Pestalozzi-Straße. Er war ein bedeutender Historiker für Guben. Nummer 15, das Haus links vorn, war die Drogerie Joseph Witt. Die Säule links im Bild war eine Zapfsäule für Shell-Benzin. Interessant auch die Schilder, die im ersten Stock angebracht sind. Sie zeigen nach links über die Neustadt zur Neißebrücke die Entfernungen ‘Nach Frankfurt 52 km’ und ‘Nach Cottbus 40 km’. ‘WZD – Witts Zindel-Drogerie für Drogen, Parfümerien, Verbandsstoffe, Mineralwässer, Farben, Foto, Reform-Artikel und Laboratoriumsbedarf. MINIMAX-Feuerlöscher, Shelltankstelle, elektrische Luftpumpe’. Laut Verkehrsplan von 1933 gab es drei Tankstellen am Zindelplatz bzw. am Dicken Turm. Am Hugo-Jentsch-Platz gab es auch einen Parkplatz, Tag und Nacht bewacht. Die Straße heißt heute 3. Maja.“