Von der Pike auf zum Handwerker

140712terpe
Voll konzentriert und stets mitdenkend arbeitet Adam Nowakowski auf der Baustelle zweier Würfelhäuser mit je acht Eigentumswohnungen. Bauleiter Enrico Kunnig kann ihn wie einen vollwertigen Facharbeiter einsetzen. Aber Adam ist sich auch für einfachste Tätigkeiten nicht zu schade Fotos: Ha.

Adam Nowakowski kam für die Ausbildung aus Zielona Gora nach Terpe / Studium soll folgen:
Spremberg (ha). Lehrlinge hören dies für gewöhnlich nicht gern: Aber Adam Nowakowski ist ein mustergültiger Schüler. Nicht nur, dass der studierte Philologe mit Bachelorabschluss in der Maurerschule in Cottbus und im Lehrbauhof Großrä­schen alles Einsen auf dem Zeugnis hat, er handelt klug, ist wissbegierig, pünktlich, umsichtig und auch handwerklich geschickt, bestätigt Bauleiter Enrico Kunnig im vierten Stock des Rohbaus. Er wolle keinen Schreibtisch oder Computerarbeitsplatz, deshalb habe er das Master-Jahr an der Uni Zielona Gora abgebrochen, als er die Lehrstelle bei Terpe-Bau erhielt. Hier will er von der Pike auf den Maurer- und danach Hochbau-Beruf erlernen. „In Polen war mir dieser Weg durch das Studium versperrt. Deshalb habe ich mich in Deutschland umgehört.“ Das Pilotprojekt der Handwerkskammer half nach. Heute leben er und seine Familie in Guben, seine Frau arbeitet als Deutsch-Lehrerin am Gubiner Lyzeum, ist aber derzeit mit ihrem Sohn im Babyjahr.
„Für uns ist Adam ein Glücksfall, und wir wollen ihn gern behalten und unterstützen ihn bei seinen Studienplänen. Er will gern beides: hier weiter praktisch tätig sein und studieren“, erzählt Corina Reifenstein, Chefin des Bauunternehmens. Sie gab ihm, wie allen anderen 13 Bewerbern vor zwei Jahren, die gleiche Chance. „Wir luden alle zum Gespräch ein, nur fünf
kamen. Wir boten ihnen eine Woche Praktikum an, um den Beruf und uns näher kennenzulernen, nur einer kam. Und der war für den Beruf völlig ungeeignet. Und dann stellte sich Adam als Spätzünder vor. Das war etwas ganz anderes …“ Corina Reifenstein erzählt dies aus gutem Grund: Ruf und Realität des Maurer- und Zimmerer-Berufes kommen bei Jugendlichen nicht an. „Die, die sich melden, haben meist sehr schlechte Noten, lange Auszeiten nach der Schule oder kommen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Wir brauchen Unterstützung, wenn wir die Jugendlichen auffangen wollen. Mit Einzelunterricht müssten sie zuerst Grundlagen lernen, damit wir ihnen den Beruf beibringen können. Mit schulischen Erfolgen sind sie auch motiviert.“ Wie Adam. Er gehört zum Team. „Ich möchte in Deutschland bleiben“, sagt er.  Bitte gern bei Terpe-Bau.