Weiß sind die Segel, die sich bläh’n…

Heute sind 13 zur Probe gekommen. Wenn es gut läuft, bringt der Shanty-Chor Spremberg, im Kern Mitglieder und Sportfreunde der SG Einheit, 20 Männer auf die Beine. Sie singen die „Arbeitslieder der Matrosen“, 50 Titel gehören zum festen Repertoire. Aktuell wird fürs Heimatfest geprobt
Foto: J. Heinrich

Als Shanty-Sänger wagen sich die ehemaligen Spremberger Kanuten auf Hohe See / Beim Heimatfest singt der Chor auf dem Markt Seemannslieder.

 

Spremberg (hnr.) Mittwochs aller zwei Wochen treffen sie sich abends in der „Grünen Wiese“. Das ist am Stadtrand in der August-Bebel-Straße, da wo die Slamener Heide beginnt. „Vor 66 Jahren stand noch der Gasthausname dran“, sagt Hans-Günther Bartusch, „aber daran erinnert sich kein Mensch mehr.“ Er führte das elterliche Anwesen eine Zeitlang als Getränkestützpunkt. Aber auch das ist lange her. Jetzt lebt er wieder seine eigentliche Profession. Sein Haus öffnet er zu Proben der Weskower Blasmusikanten, und auch der Shanty-Chor übt hier. Seit Dr. Wolfgang Wende, künstlerischer Leiter dieser stimmfrohen Männerriege, gestorben ist, leitet er den Chor.
Der hatte seinen ersten Auftritt eher spontan. Das liegt acht Jahre zurück. Fleischermeister Werner Kadach hatte Geburtstag, und seine Kanu- und Elferrats-Freunde, im Bänkelsang geübt, brachten ihm ein Ständchen. Längst stimmt er selbst mit ein, und aus loser Lust wurde ernsthaftes Üben. 50 Titel gehören inzwischen zum Repertoire, die silbernen Scheitel bedecken verwegene „Elbsegler“-Mützen, über dem offenen blauen Hemd sitzt keck ein roter Halstuchknoten. „Jetzt bekommen wir alle noch weiße Hosen“, kündigt Werner Kadach an, und allen funkelt deutlich der Schalk der Hamburger Jungs im Augenwinkel.
Von „Wo die Ostseewellen trecken an den Strand…“ geht es bald zur „lauschigen Nacht… auf der Reeperbahn nachts um halb eins.“
Dann folgt das Lieblingslied: „Keine Frau ist so schön wie die Freiheit, und kein Mann ist so schön wie sein Geld…“
Doch dann konzentrieren sich die elf Sänger, begleitet von der E-Orgel und dem Akkordeon, auf Stil und Ausdruck: „Bei ‘leis die Wellen’ nicht so brüllen“, heißt es von hinten. „Was machen wir jetzt?“ – „Die 21.“
Gut, die 21: „Weiß ist das Schiff, das wir lie-ieben..“ Die Köpfe heben sich, die Brust schwillt bei „…hoch vom Mast weit auf die See hinaus zu sehen.“ Jetzt beseelt alle unterdrückte Sehnsucht: „…weiß seine Segel, die sich bläh’n.“
Sicher standen die Männer seit der Wende alle auf Schiffsplanken, vielleicht sogar auf Seglern. Gesehen hat die Erde von Italien bis nach Japan damals nur Günther Bartusch, der verschmitzt dirigiert und auch mal ein Solo einschiebt. „Mit 300 Leuten sind wir zu Opernaufführungen bis Japan geflogen“, erzählt er. Auf der Schrankwand steht noch der Fernseher, den er damals von dort mitbrachte. Die anderen waren Handwerker, Bergbauingenieure oder Facharbeiter. Von 55 bis 85 reicht jetzt die Altersspanne. Sangesfreudige Interessierte, auch Instrumentenspieler, sind willkommen (Tel. 03565-94534).
Nach dem Gorch Fogg geht es weiter „across the sea“. Dann Nr. 41, die sitzt noch nicht. „Pfeifen wir da jetzt oder sollen wir summen?“ Der Rhythmus wechselt von Marsch zu Tango. „Ist das jetzt F-Dur?“ – „Mach uns nicht wuschig!“ schimpft einer. Und „Caramba, Caracho, ein Whisky…“ Pause.
„Jetzt besprechen wir das Heimatfest“, sagt Werner Kadach, „Sontag, 12. August, 13.15 Uhr auf der großen Marktbühne…“


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