Cottbus: Die Weiche an der Wendenstraße

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Im Hintergrund ist die Wendenstraße zu sehen. Die neuen Gleise waren 1903 eine Attraktion der Stadt

1903 wurde die erste elektrische Straßenbahnlinie der Stadt eröffnet:
Mit dem technischen Fortschritt der Stadt Cottbus kennt sich Georg Müller gut aus. Er schreibt: „Zu sehen ist die im Bau befindliche Weiche, die das Abschwenken nach der Spremberger Straße Richtung Sandow damals vorerst bis zur Oberkirche ermöglichte. Die erste Probefahrt übrigens erfolgte auf der Strecke Bahnhof über die Berliner Straße dorthin – im Bildhintergrund zu sehen – mit der Cottbuser Prominenz, geführt vom Oberbürgermeister Werner am 18. Juli 1903. So konnte sich die Linie über die Spremberger Straße alsbald nach der Fertigstellung dieser Weichengleise und der Nachpflasterung, also auf Höhe des rechts hinter dem Fotostandort stehenden Rathauses, in das neue
Streckennetz einbinden. Zwischen Zigarren-Wolsdorff und Möbel-Kramer war flugs über die Wendenstraße die Klosterkirche zu erreichen.  Und wie ging’s mit der Straßenbahn weiter? Von der Oberkirche verlängerte man gleich nach der Verstärkung der Sandower Brücke die Linie bis zur Gemeindegrenze an der Sandower Apotheke, und nach der Eingemeindung von Sandow am 10. August 1904 begannen die Arbeiten an der geplanten Verlängerung dieser Roten Linie von der Sandower Apotheke bis zum Diepowplatz. Kein Wunder: Der technische Fortschritt ehrte die Cottbuser sehr und formte damals den Slogan: ‘Wanderer, hemme deinen Schritt! Sieh und staun und fahre mit. Die Elektrische ist da. Cottbus Großstadt jetzt – hurra!’“
Herbert Ramoth hat auch die Menschen im Blick: „Die Arbeiter auf dem Foto haben es verdient, gewürdigt zu werden, schufen sie doch mit ihrer Arbeit vor mehr als 110 Jahren die Voraussetzungen für eine Cottbuser Verkehrsstruktur, die wir heute noch nutzen. Auch den vielen Cottbusern gebührt Anerkennung, die die Versuche einiger sogenannter Verkehrsexperten in jüngster Zeit mit ihrem Engagement Einhalt geboten, die Straßenbahn aus dem Cottbuser Verkehrsbild größtenteils verschwinden zu lassen. Das Foto zeigt die Cottbuser Straßen in voller Pracht und ohne Kriegslücken. Ein Bild, das ich so nicht gekannt habe, das aber sofort den Eindruck erweckt, ‘zentrumsnah’ zu sein. Die fehlenden Gleise in einer Straße (Spremberger Straße) und der Blick auf eine Kirche, erst durch die ‘Kriegsverluste’ ermöglicht
(Klosterkirche), tragen zur Foto-Lösung entscheidend bei.
Der Hinweis, die Straßenbahn fährt in einen Cottbuser Noch-Nicht-Stadtteil trifft prinzipiell zu dieser Zeit für alle zu, denn Schmellwitz und Ströbitz wurden erst 1950 Cottbuser Stadtteile, Sandow dagegen aber schon im Juli 1904. Die ‘Eingemeindung’ stand also unmittelbar bevor. Die Lösung ist für mich: Das Abschwenken der Straßenbahn ist gen Osten nach Sandow möglich.“
Klaus Herold schreibt: „1904 wurde das einstige Fischereidorf Sandow eingemeindet und die Straßenbahnlinie bis zum Diepowplatz verlängert. Bereits vier Jahre später fuhr sie dann bis zum Schützenhaus.“
Einen „Damals war’s-Kalender“ gewinnt diesmal Ralf Kanter.