… „dann kann uns der Teufel holen”

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Er war Kanzler in harten Jahren und er hat als Publizist tiefe Spuren hinterlassen. Helmut Schmidts Leben endete diese Woche.
Dass er je die Lausitz besucht hätte, ist nicht bekannt. Aber er war ganz privat viel häufiger in der DDR, als die Öffentlichkeit wusste. Ihn interessierte das Leben der Landsleute, die Kunst, das andere Denken. Was er in Erfahrung brachte, steht, hilfreich über diesen Tag hinaus, in seinen Büchern. Wer etwa 1930 geboren ist und immer im Osten des Landes lebte, so argumentierte er anschaulich auf Podien, kannte nur Diktatur und realen Sozialismus, nicht aber Demokratie. Schmidt beobachtete richtig: Die Mutigsten in der DDR suchten „einen mittleren Weg zwischen Demokratie und Sozialismus. Die halbe Demokratie. Welche Hälfte sollte ich wegnehmen?“ Und er wurde nie müde, auch auf die Schatten und Mühsale der Demokratie hinzuweisen.
Auf seinen vielen Reisen in die DDR hat ihm stets Manfred Stolpe die Türen geöffnet, war sein verlässlicher „Briefträger“ zur hiesigen Führung. „Mit welchem Risiko, war uns erst nach der Vereinigung deutlich “, erklärte Helmut Schmidt.
Nach Westen gewandt formulierte er: „Jede moralische Überheblichkeit erschwert das seelische Zusammenwachsen der Nation.“ Und für alle schloss er an: „Wenn wir es nicht fertigbringen sollten, aus dem unerwarteten Glücksfall der Vereinigung ein dauerhaftes Glück für uns alle zu schmieden, dann kann uns Deutsche der Teufel holen.“
Schon 1996 stehen diese und viele weiter führende Reflexionen und Gedanken in Helmut Schmidts Erinnerungsbuch „Weggefährten“. Sie haben bleibend Gültigkeit.