Die Nachrichten zwischen den Jahren hätten schlechter nicht sein können. Aus bisher ungeklärter Ursache geriet die Höhere Schule für Textilindustrie in Brand. In ersten offiziellen Meldungen wurde der glanzvolle neugotische Bau aus dem Jahr 1898 als „Nebengebäude der Polizei“ bezeichnet und bei den Löscharbeiten offenbar auch so behandelt. Der repräsentative Giebel ist zerschlagen, es gibt kein erkennbares Bemühen, Sachverstand zur Rettung unwiederbringlichen Kulturgutes einzuschalten. Die Schönheit des Baus allein schreit nach Sorge. Aber hier stand noch mehr in Flammen: Dieses Haus war – und bleibt hoffentlich – das Symbol für Innovation und Wirtschaftskraft dieser Region. Es ist von den Textilfabrikanten selbst finanziert und 50 Jahre lang (bis Kriegsende) als international anerkannte Fachschule und Partner des weltführenden sächsischen Textilmaschinenbaus betrieben worden. Die Schülernamen lasen sich wie ein Who is Who des Wirtschaftszweigs. Einer der letzten dort Ausgebildeten war Heinz Herfarth, 1972 enteigneter erfolgreichster Cottbuser Tuchfabrikant, dann Tuchhändler und 1990 erster Präsident der IHK.
Aber wer weiß schon Bescheid über unser Woher, über mühevolles Gewordensein und den Kern unserer Lebenskraft? In RTL-Shows ist darüber nichts zu erfahren und im heimischen Museum leider auch nicht. Das bleibt geschlossen.
So haben die nachweihnachtlichen Flammen ein erschreckendes Defizit an Wissen und tragfähiger Heimatverbundenheit erleuchtet. Falls nicht wenigstens Denkmalbeirat, IHK und einige Intellektuelle aktiv werden, kommt das „Polizei-Nebengebäude“ schnell zu den Akten. JH






