Cottbus. Wieder eine barocke Augenweid

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Als „Stadthaus II“ beherbergte das Haus Sandower Straße 50 am Gerichtsplatz kommunale Einrichtungen

Wieder eine barocke Augenweid

Sein „barockes Schlösschen“ nennt der Sanierer liebevoll das Haus Sandower Straße 50, das wir aus der Sparkassenwerbung vom Cottbuser Adressbuchtitel, Jahrgang 1940, für unsere Rätselbildreihe übernommen hatten. Das plakative Motiv fand viel Interesse.
Georg Müller aus der Cottbuser Sanzebergstraße schreibt: „Zu Ende des 18. Jahrhunderts wurde dieses Haus erbaut, zu Anfang des 20. Jahrhunderts als Stadthaus II für Standesamt, Armenverwaltung, Stadtarchiv und auch als Stadtsparkasse genutzt. In den letzten 50er-Jahren wurde es zum VP-Ambulatorium umfunktioniert. Das einzigartige Bauwerk stellt eine kunst- und baugeschichtliche niederlausitzer Besonderheit dar. Allerdings weist das Bild mit Schriftart und werbendem Volksbezug wohl auf das Tausendjährige Reich hin – das ist eben auch Geschichte.“
Eva-Maria Maier vom Cottbuser Nordrand hat Informationen, die aus ihrer Familie überliefert sind: „Im Haus waren bis Kriegsende auch die ‘Städtischen Wasser- und Canalwerke’ untergebracht. Nach der Besetzung unserer Stadt am Sonntag, dem 22. April 1945, lag hier buchstäblich das Geld auf der Straße. Mein Vater, damals Betriebsleiter des Elektrizitätswerkes, unternahm am Montag in der Frühe einen ersten Inspektionsgang. Er traf außer der brennenden Oberkirche auch diese Situation an. Der Gedanke, es könnte noch irgendeinen Wert haben, kam ihm allerdings nicht. Später wurden, glaube ich, die Guthaben 1:10 umgetauscht. In den ersten Maitagen war das Sparkassengebäude dann provisorisches Arbeitsamt. Alles, was sich dort befehlsgemäß einfand, ging in 20er-Gruppen zum Bauplatz Kleines Spreewehr. 80 Prozent schieden aber als unqualifiziert wieder aus. Schließlich fanden sich aber 100 Arbeitskräfte zum Wiederaufbau der Wehranlagen, um Cottbus bis zum 20. Mai – so der Befehl des Kommandanten – wieder mit Strom zu versorgen.“
Diethart Schulz aus der Cottbuser Stadtpromenade lobt die neu entstandene Einkaufssituation an dieser Ecke und nennt das eben sanierte Haus eine barocke Augenweide, die zum „frohen, lebendigen, abwechslungsreichen Stadtbild beiträgt.“ Erich Gruenhein merkt an: „Wir haben hier das einzige Cottbuser Beispiel für den in Potsdam verbreiteten spätbarocken preußischen Zopfstil. Das Haus ist vom Baustil her, aber auch wegen seiner Funktion als Teilgebäude der Stadtverwaltung von Bedeutung für die Cottbuser Stadtgeschichte.“

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Das Haus Sandower Straße 50 (r.), erbaut 1795/96 und 2009/10 fachkundig saniert, ist als einziger Cottbuser Vetreter des spätbarocken preußischen Zopfstils wertvolles Baudenkmal