Die Linde stand immer am Tore / Der alte Name wies den Weg zur früheren Synagoge in der Marktstraße
Das Bild war vielen Lesern vertraut, manche zweifelten aber daran, dass das Tor wirklich offiziell „Judenpforte“ hieß oder ob das „schon wieder so eine Gehässigkeit“ war.
War es natürlich nicht, wie auch das Wort Jude kein Schimpfwort ist, sondern eben die Bezeichnung für Angehörige des Volkes der Juden, gläubige wie auch nicht gläubige.
Friedhelm Lehmann aus Cottbus schreibt: „Ich kann bestätigen, dass dieses eigentlich recht malerische Tor mit gotischem Spitzbogen tatsächlich auf Ansichtskarten als Judentor bezeichnet wird. So auf einer in schönem Kupferdruck hergestellten Ansichtskarte, die im Jahre 1928 verschickt wurde und sich in meiner Sammlung befindet. Mir war allerdings nicht bekannt, dass die heutige Lindenpforte erst nachträglich durch den Turm getrieben worden ist. Die das gemacht haben, taten es mit Augenmaß.“
Karl-Heinz Egel meint: „Es müssen hier also immer Linden gestanden haben. Oder ist damit jene Linde gemeint, die vielleicht einmal dort stand, wo jetzt der bruchgelandete Postkutscher die Peitsche schwingt? In der Promenade, berichten meine Eltern, gab es vorwiegend Kastanien. Wobei westlich vor der Pforte schon freier Platz für das Markttreiben war.“
Die Vermutung bestätigt Richard Noack aus Cottbus: „Man sieht auf dem Bild sehr gut die Linde, die jenseits der Pforte, also innerhalb der Altstadt, stand. Nach ihr ist die Pforte benannt worden. Ich finde es übrigens recht bedauerlich, dass dem Rathaus die Giebel genommen wurden. Das Aufstocken hat dem Gebäude einen völlig anderen Stil gegeben. Das gehört sich nicht, die Handschrift eines Architekten einfach wegzuwischen.“
Klaus Herold schreibt: „Die Lindenpforte hatte im Volksmund später auch den Namen "Schultzen-Pforte", da hier eine Gemüsehändlerin dieses Namens immer ihren Stand aufbaute. Der Name "Lindenpforte" war einstmals berechtigt, da der Berliner Platz mit Linden bestanden war. – Heute finden wir hier einen reduzierten gemischten Baumbestand. Eine alte Linde, genau gegenüber der "Lindenpforte", wurde bei dem Sommerunwetter vom 17. Juli 2010 (Samstag) in Mitleidenschaft gezogen und später entfernt. Eine Nachpflanzung erfolgte leider nicht. Der Platz ist nahezu frei von Linden, und der Stadtmauer-Durchbruch trägt eher aus historischen Gründen diesen Namen. Ob sich da wohl noch einmal etwas ändern wird…?“
Jens Pumpa schreibt: „Lindenpforte kommt von dem großen Baum in der Mauerstraße, der auch dem dort befindlichen Stockhaus (Polizeigefängnis) den Namen "Zur grünen Linde" einbrachte.“
Jürgen Rohde aus Kolkwitz weiß: „Zum Foto möchte ich ein paar Bemerkungen machen, die nichts mit der Lindenpforte zu tun haben, jedoch mit dem gut erkennbaren Merkmal oben rechts neben dem Türmchen. Es handelt sich um einen SA-Mann, der einen Kommunisten und einen Juden in die Tiefe stürzt, in Stein geformte Nazi-Ideologie. Heute ist nur noch die untere Platte im Mauerwerk vorhanden. Wir haben in Cottbus nicht mehr viele Relikte, die uns an diese unselige Zeit mit ihrem schrecklichen Ausgang erinnern. Immer wenn ich durch die Lindenpforte gehe, denke ich daran, wohin Intoleranz und Gewalt führt. Am Ende stand Auschwitz und Deutschlands Fast-Untergang. Braune Bosheit und Beschränktheit dürfen nie wieder einen Platz haben, weder in Rathäusern noch sonstwo. Tolerantes Cottbus!“
Georg Müller sagt: „Das triste Bild zeigt die Lindenpforte. Drei Jahrzehnte vorher war’s noch das Judentor, bis die erste Cottbuser Synagoge nahebei anfangs des vorigen Jahrhunderts durch die herrliche Synagoge in der Jahrstraße abgelöst wurde. Ein Neumarkttor kann in der Rätselbetrachtung ausgenommen werden, zumal der Neumarkt keine unmittelbare Nachbarschaft zur Stadtmauer darstellt, ein sogenanntes Rathaustor im übrigen der Stadtmauer zuzuordnen, kann auch vergessen sein. Also hier ist die Lindenpforte zu sehen, und sie ist es jetzt noch, auch wenn die Linde längst den Geist aufzugeben hatte. Auch die Schulzen mit ihrem Marktstand im Pfortendurchgang schaut sich längst alles von oben an und runzelt ob des Versuchs einer Umbenennung der Pforte sichtlich ihre ohnehin faltige Stirn. Aber sei es denn doch – vielleicht – meinethalben ausdrücklich nicht, dann wäre vielleicht eine "Promenadenpforte" am ehesten verträglich.“